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ASEW-Akzeptanzstudie Mieterstrom: Informationsdefizit oft groß

(vom 28.05.2019)

Köln – Mieterstromkonzepte sind in der Energiewirtschaft seit einigen Jahren sehr populär. Die Marktdurchdringung lässt indes noch zu wünschen übrig. Das liegt auch daran, dass Mieterstrom in der Bevölkerung weitgehend unbekannt geblieben ist – selbst da, wo entsprechende Lösungen für Mieter eigentlich verfügbar sind. Das ist das Ergebnis der von der Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (ASEW) durchgeführten Akzeptanzstudie „Mieterstrom aus Mietersicht“.

Selbst in Wohnhäusern, in denen bereits Mieterstrommodelle umgesetzt wurden, wissen die dort wohnenden Mieter oft nichts über diese Möglichkeit. Meist tritt hier das Informationsdefizit gleich doppelt auf: Weder wissen die Befragten, dass sie eine Möglichkeit haben, direkt über den Vermieter oder einen von diesem ausgewählten Dienstleister Strom zu beziehen, noch, was unter Mieterstrom eigentlich genau zu verstehen ist. „Dieses Informationsdefizit ist nicht nur auf mangelnde Informationskampagnen etwa seitens der etablierten Energieversorger zurückzuführen“, sagt Markus Schäfer, der die Akzeptanzstudie im Rahmen seiner durch die ASEW unterstützten Masterarbeit durchführte. „Vor allem liegt das im allgemein eher geringen Interesse am Thema Energieversorgung begründet.“

Weitere Hürden für eine bessere Marktdurchdringung: Mieterstrom ist aus wirtschaftlicher Sicht häufig recht schwer umsetzbar. Hierbei verschlechtern niedrige Beteiligungsquoten die Wirtschaftlichkeit des Versorgungsmodells natürlich noch weiter. Das heißt: Die potenziellen Kunden möglichst früh und möglichst gezielt abzuholen und mit Informationen zu versorgen, wird für den Erfolg von Mieterstromprojekten immer wichtiger. „Ein weiterer Faktor ist die stetig sinkende Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz. Wenn aber Strom nicht mehr gewinnbringend in das Netz eingespeist werden kann, bleibt als beste Lösung die direkte Versorgung von Kunden vor Ort. Nur so lässt sich auch das in Mieterstrom immanent schlummernde ökologische Potenzial voll ausschöpfen. Unsere Akzeptanzstudie hat indes klar gezeigt: Noch ist die Beteiligungsquote von Mietern oftmals leider gering“, so Schäfer.

Die ASEW-Akzeptanzstudie hat versucht herauszufinden, warum die Beteiligung bei Mieterstrom oft so gering ist und unter welchen Bedingungen höhere Abschlussquoten erzielt werden können. Dabei hat sich gezeigt, dass die persönliche Ausrichtung der Endkunden von großer Bedeutung für den Erfolg von Mieterstrom ist. Legen die Endkunden Wert auf erneuerbare Energien, lokale Erzeugung und einen nachhaltig operierenden Anbieter, können Beteiligungen von bis zu 100 Prozent erzielt werden. Ist der Preis das ausschlaggebende Argument, fällt die Beteiligung oft viel geringer aus. Allerdings bezogen einige der Befragten, die den Preis am wichtigsten fanden, ihrerseits indes teureren Strom als den vor Ort verfügbaren Mieterstrom. Auch hier waren geringe Abschlussquoten also oft nicht auf den vermeintlich hohen Preis, sondern auf einen Mangel an Information und Interesse zurückzuführen.

„Bei den untersuchten Projekten konnten die Mieterstromanbieter nicht immer auf eine gut informierte und auf Nachhaltigkeit bedachte Klientel setzen, die im Idealfall noch in einem Verein oder einer Baugruppe organisiert war. In diesen Fällen erwies es sich als sehr wirkungsvoll, Mieterstrom über einen Partner in der Wohnungswirtschaft direkt beim Einzug anzubieten. Dies funktioniert natürlich vor allem im Neubau, wo keine bestehenden Stromlieferverträge den Vertragsabschluss erschweren“, so Schäfer weiter. Konventionelle Vertriebsmethoden durch den Mieterstromanbieter waren hingegen kaum erfolgreich. Der Preisvorteil beim Mieterstrom ist in den meisten Fällen nicht ausreichend, um die Stromkunden von einem Wechsel zu überzeugen.

Für die Akzeptanzstudie wurden sieben Mieterstromprojekte untersucht: Vier wurden von Stadtwerken umgesetzt, zwei von Genossenschaften und eines von einem Wohnungsbauunternehmen. Zusätzlich zu den Motiven der Mieter wurden für jedes Projekt die jeweilig angewandten Vermarktung- und Vertriebsstrategien von den Anbietern erfragt.

Die Ergebnisse der ASEW-Akzeptanzstudie werden im Rahmen des Erfahrungsaustauschs „Mieterstrom“ am 18. und 19. Juni 2019 in Köln vorgestellt.

 

ASEW-Profil
Die Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (ASEW) ist mit bundesweit rund 300 Mitgliedern das größte deutsche Stadtwerke-Netzwerk für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Die ASEW wurde 1989 aus dem Verband kommunaler Unternehmen (VKU) heraus gegründet. Das Ziel: Eine rationelle, sparsame und umweltschonende Energie- und Ressourcenverwendung zu fördern. Die ASEW berät und unterstützt ihre Mitglieder in diesen Bereichen und entwickelt innovative Produkte und Dienstleistungen, die zum Umwelt- und Klimaschutz beitragen. Das ASEW-Portfolio umfasst Produkte für Vertrieb und Kundenberatung, außerdem Seminare und Qualifizierungsangebote sowie eine Kunden- und Fördermittelberatung.

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