Hier finden Sie die aktuellen Presseinformationen der ASEW. Wenn Sie Fragen haben, weitere Informationen benötigen oder auf der Suche nach Interviewpartnern aus den Themenbereichen Energieeffizienz, Erneuerbare Energien und Energiedienstleistungen aus dem kommunalen Umfeld sind, helfen wir Ihnen gern weiter.

EDL-G-Novelle passiert Bundestag

(vom 28.06.2019)

Kurz vor der Sommerpause hat der Bundestag am frühen Morgen des 28.06.2019 die Novelle des Energiedienstleistungsgesetzes (EDL-G) auf den Weg gebracht. Damit liegen nun die neuen Anforderungen für Energieaudits dem Bundesrat vor. Grund genug für Stadtwerke, einen Blick auf die wichtigsten Neuerungen zu werfen.

Der Kern des Gesetzes für eilige Leser:

  • Die Einführung einer Bagatellgrenze: Die volle Auditpflicht gilt ab einem Jahresenergieverbrauch von 500.000 Kilowattstunden, darunter reicht eine Art Mini-Audit.
  • Für Unternehmen, auch wenn sie unter der Bagatellgrenze liegen, gilt eine Nachweispflicht.
  • Durchgeführte Energieaudits müssen spätestens zwei Monate nach Abschluss beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gemeldet werden.
  • Für Energieauditoren gibt es eine Registrierungspflicht: Sie müssen beim BAFA gelistet sein.
  • Energieauditoren müssen ihre Ausbildung nachweisen und regelmäßig auffrischen. Für die Erstqualifizierung ist ein Bildungspaket im Umfang von 80 Unterrichtseinheiten vorgesehen, alle zwei Jahre müssen erneut 16 Unterrichtseinheiten absolviert werden.
  • Zudem hat der Bundestag die im Netzausbaubeschleunigungsgesetz Übertragungsnetz (NABEG) implementierte Netzentgeltbefreiung für Power-to-X-Anlagen wieder zurückgenommen.

Erfassungspflichten
Generell wurde eine Nachweispflicht für Energieaudits eingeführt. Die Unternehmen werden hierzu nach Abschluss des Energieaudits Angaben an das BAFA durch eine Online-Plattform übermitteln müssen.

Neu ist auch die Einführung einer Bagatellgrenze für Nicht-KMU: Diese ermöglicht Unternehmen mit einem Gesamtenergieverbrauch unter 500.000 kWh die Durchführung eines „Mini-Audit“. Dessen genaue Ausgestaltung ist momentan noch offen.

Da aber von der Befreiung laut Ausführungen zum Gesetz nur 2.600 Unternehmen betroffen sind, verbleiben für viele Unternehmen nur noch sechs Monate, um fristgerecht ein Energieaudit DIN EN 16247-1 durchzuführen. In der Regel steht spätestens bis zum 05. Dezember das Wiederholungsaudit an, entscheidend ist laut BAFA allerdings der Zeitpunkt des ersten Energieaudits. Für nicht durchgeführte Energieaudits können entsprechende Unternehmen mit Bußgeldern von bis zu 50.000 € belegt werden.

Grundsätzlich ist im Rahmen der Energieaudits eine Ermittlung von mind. 90% des Gesamtenergieverbrauchs eines Unternehmens verpflichtend, 10% müssen demnach nicht auditiert werden.

Energieberater und -Auditoren
Die Novellierung sieht vor, dass sich Energieauditoren über das BAFA registrieren müssen. Eine Neuregistrierung für bereits gelistete Energieberater ist hierbei nicht notwendig. Energieberater müssen zur Zertifizierung 80 Unterrichtseinheiten absolvieren und sich alle zwei Jahre mit mindestens 16 Einheiten fortbilden müssen. Für Energieberater ist demnach eine Fortbildung nach BAFA-zertifiziertem Standard vor Beginn der Durchführung des Energieaudits notwendig.

Auch für Stadtwerke gilt weiterhin:
Sofern sie nicht nach ISO 50001 oder EMAS zertifiziert sind, besteht dieses Jahr auch bei den Stadtwerken selbst die Pflicht zum Wiederholungsaudit nach DIN EN 16247-1 – wie auch für einige Stadtwerke-Gewerbekunden. Das bietet Stadtwerken Ansätze für den Vertrieb entsprechender Leistungen.

Wie geht es weiter?
Über die Änderungen im EDL-G informieren wir Sie auch ausführlich in unserem ASEW-Seminar „Energieaudit“ am 20. und 21. November 2019 in Nürnberg, in dem Energieberater auch die 16 Unterrichtseinheiten (UE) der fortlaufenden Verpflichtung zur Fortbildung erwerben können.

Zudem können Energieberater über die ASEW auch die Qualifizierung für das Förderprogramm „Energieberatung im Mittelstand“ erwerben. In vier Modulteilen mit den insgesamt geforderten 80 UE  legen Stadtwerke-Energieberater die Grundlagen für den Antrag beim BAFA zur Aufnahme in die Energieeffizienz-Expertenliste. Der erste Termin ist am 05. und 06. November 2019 in Dortmund.

Energieberatung als Geschäftsmodell
Das Förderprogramm „Energieberatung im Mittelstand“ ist für Stadtwerke besonders interessant, weil hier 80 Prozent der förderfähigen Beratungskosten, d.h. maximal 6.000 Euro bei Jahresenergiekosten von mehr als 10.000 Euro, gefördert werden. Dies ermöglicht ein hochqualitatives Beratungsangebot mit sehr gutem Preis-Leistungsverhältnis. Die Energieberatung kann dann oft der Türöffner für weitere Dienstleistungen des Stadtwerks sein.

Energieeffizienz: Was geschieht darüber hinaus?
Wie können zukünftig periodische Energieaudits einfacher und digitalisiert abgewickelt werden? Diese Fragestellung ist der Kern des Forschungsprojekts sustainKMU, das am 1. Mai 2019 gestartet ist. Im Fokus von sustainKMU, das vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert wird, steht die Gruppe der kleinen und mittleren Unternehmen. In dem Projekt soll einerseits eine IT-Infrastruktur aufgebaut werden, die die Abwicklung von Energieeffizienzmaßnahmen künftig weitgehend digitalisiert ermöglichen soll. In einem weiteren Schritt soll die Mitarbeiterkompetenz im Umgang und in der Umsetzung von Effizienzmaßnahmen auf- und ausgebaut werden, denn gerade hier liegt ein großes Potenzial, um den Aufwand für die Unternehmen zu verringern.

Zu den Aufgaben der ASEW, die bei sustainKMU als Projektpartner involviert ist, gehört unter anderem die Erstellung von Lernunterlagen, die bei der Qualifizierung zu Anforderungen im Bereich Energieeffizienz unterstützen. Der im Projekt vorgesehene virtuelle Showroom wird ebenfalls von der ASEW eng begleitet. 

Fragen beantworten wir darüber hinaus gerne unter 0221.931819-12 oder orth@asew.de.

 

ASEW-Profil
Die Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (ASEW) ist mit bundesweit gut 300 Mitgliedern das größte deutsche Stadtwerke-Netzwerk für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Die ASEW wurde 1989 aus dem Verband kommunaler Unternehmen (VKU) heraus gegründet. Das Ziel: Eine rationelle, sparsame und umweltschonende Energie- und Ressourcenverwendung zu fördern. Die ASEW berät und unterstützt ihre Mitglieder in diesen Bereichen und entwickelt für sie innovative Produkte und Dienstleistungen, die zum Umwelt- und Klimaschutz beitragen. Das Portfolio der ASEW umfasst Produkte für Vertrieb und Kundenberatung, außerdem Seminare und Qualifizierungsangebote sowie eine Kunden- und Fördermittelberatung.

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