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Ausbau der erneuerbaren Energien stagniert

Im vergangenen Jahr ist der Ökostromanteil am deutschen Strommix faktisch stagniert. Das zeigen vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg veröffentlichte Daten. Mit 186 Terawattstunden Strom aus erneuerbaren Energien liegt 2016 in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Demnach stammen 34 Prozent des verbrauchten Stroms aus regenerativen Quellen. Zum Vergleich: 2015 waren es 35 Prozent. Nach dem Rekordjahr 2015 erleidet die Branche damit einen Dämpfer.

Vor allem für die Solarbranche war 2016 kein gutes Jahr. Insgesamt sank die Produktion von Solarstrom um 1,2 Terawattstunden auf 36,7 Terawattstunden – ein Minus von 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das liegt laut ISE vor allem an den vielen Wolkentagen und am schleppenden Zubau neuer Anlagen. Windstrom kam mit 78 Terawattstunden in etwa auf den Vorjahreswert. Zwar sank die Onshore-Erzeugung leicht, der Offshore-Anteil legte indes deutlich zu. 

Braun- und Steinkohlekraftwerke liefern noch immer mehr als 40 Prozent des deutschen Stroms. Der Anteil geht aber leicht zurück. Auch der Strom aus der Atomkraft sank 2016 um acht Prozent. Grund dafür ist die Abschaltung des AKW in Grafenrheinfeld Mitte des Jahres. Deutlich mehr Strom wurde 2016 indes in Gaskraftwerken erzeugt. Sie speisten 43 Terawattstunden ein und liegen damit rund 40 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Dieser neue Aufwärtstrend sei hauptsächlich durch die niedrigen Gaspreise begründet.

Die Strompreise für Haushalte dürften 2017 indes erstmals über 30 Cent je Kilowattstunde liegen. Das geht aus der aktuellen Auswertung von Agora Energiewende für das Jahr 2016 hervor. 2016 sei das Jahr der billigen Energie gewesen. Sowohl die Weltmarktpreise für Kohle, Öl und Gas als auch die Strompreise im Großhandel an der Börse seien gesunken. Die Börsenpreise hätten mit 26,60 Euro pro Megawattstunde auf einem Zehn-Jahres-Tief gelegen. Doch während Börsenstrom, Erdgas und Heizöl zuletzt billiger wurden, gelte dies wegen steigender Abgaben und Umlagen nicht für den Haushaltsstrompreis. Wie Agora-Direktor Patrick Graichen zu bedenken gibt, sei bis 2023 ein weiterer Anstieg der Strompreise absehbar, wenn „das System der Abgaben und Umlagen [bleibt], wie es ist.“ Erst danach kämen die „Ernte-Jahre“ der Energiewende. Das System der Steuern, Abgaben und Umlagen sollte überarbeitet werden. Denkbar sei es etwa, die Stromkosten zu senken und Abgaben sowie Umlagen auf klimaschädliche Energieträger zu verlagern.

Das kommt auch dem Klimaschutz nicht unbedingt zugute. Wie die Auswertung der entsprechenden Daten zeigt, war 2016 für den Klimaschutz in Deutschland ein schlechtes Jahr. Im Vergleich zum Vorjahr wurde sogar wieder mehr CO2 ausgestoßen. Nach ersten Schätzungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) stiegen die energiebedingten CO2-Emissionen gegenüber 2015 um 0,9 Prozent. Das ist der zweite Anstieg in Folge. 2015 betrug das Plus gegenüber 2014 bereits 0,7 Prozent. Der Zuwachs beruht nach Berechnungen der AGEB auf dem Einfluss von kälterer Witterung gegenüber dem Vorjahr, auf dem zusätzlichen Schalttag am 29. Februar, der wirtschaftlichen Konjunktur, dem Bevölkerungszuwachs und der Zunahme des Auto- und Flugverkehrs.

Insgesamt stieg in Deutschland der Energiebedarf 2016 um 1,6 Prozent. Diesen erhöhten Bedarf konnten die erneuerbaren Energien jedoch nur zu einem Teil auffangen und auch die Verbesserungen bei der Energieeffizienz reichten für den Klimaschutz nicht aus. Rund 90 Prozent von Deutschlands Klimagasen werden durch fossile Energien freigesetzt. Die kommen vor allem aus der Kohleverstromung, der Industrie, der Beheizung von Gebäuden und dem Verkehr. Der Anteil von erneuerbaren Energien am gesamten deutschen Energiemix stieg im vergangenen Jahr nur um 0,2 Prozent – und liegt somit nun bei 12,6 Prozent.

Ziel der Bundesregierung ist, die CO2-Emissionen bis 2020 im Vergleich zu 2016 um etwa 18 Prozent zu senken – im Durchschnitt also um etwa 4,5 Prozent pro Jahr. Zur Erfüllung des Pariser Klimaabkommens muss der Trend jedoch noch schneller gehen. Auch der schleppende Ausbau der Stromnetze trägt einen Anteil an dieser Entwicklung. Auch 2016 mussten die Übertragungsnetzbetreiber bei starkem Wind die Windkraftanlagen abschalten. Nach einer Analyse des schleswig-holsteinischen Energiewendeministeriums gingen so allein im Jahr 2015 rund zwei Prozent des Stroms in Deutschland verloren. Der Bundesverband Erneuerbarer Energien (BEE) fordert deshalb dringende Korrekturen: Die Betreiber von Kohlekraftwerken sollten ihre Anlagen entsprechend runterfahren. Ein weiteres Problem für den Klimaschutz ist auch der anhaltend hohe Stromexport: Rund neun Prozent des in Deutschland erzeugten Stroms wird in die Nachbarländer exportiert. Würden Kohlekraftwerke entsprechend dieser Strommenge abgestellt, sänke der CO2-Ausstoß in Deutschland schon um rund vier Prozent und der Anteil von erneuerbaren Energien im deutschen Strommix läge dann bei über 38 Prozent.

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