BG

Intelligente Messsysteme: Falsche Messungen?

Seit Jahresbeginn werden auch in Deutschland intelligente Messsysteme ausgerollt. Das Ziel: Bis 2033 alle Verbraucher mit einem Jahresverbrauch ab 6.000 Kilowattstunden sowie dezentrale Erzeugungsanlagen mit den neuen Messeinrichtungen auszustatten. Doch aus den Niederlanden sind nun irritierende Studienergebnisse zu vernehmen. Offenbar messen elektronische Energiezähler mit teils eklatanten Abweichungen. Konkret geht es um eine Testreihe, die Professor Frank Leferink von der Universität Twente in Kooperation mit der Amsterdam University of Applied Sciences an neun Smart Metern durchführte.

Es handelt sich um elektronische Drei-Phasen-Energiezähler der Baujahre 2004 bis 2014. Sie waren konform der geltenden gesetzlichen Vorgaben, dennoch erfassten die Zähler den Stromverbrauch falsch. Vor allem bei stark nichtlinearen Lasten, wie sie vielfach bei sparsamen Haushaltsgeräten vorkommen, kamen einige der getesteten Zähler auf Abweichungen von 46 Prozent zu wenig oder sogar 582 Prozent zu viel Stromverbrauch. Die Zähler wurden dabei unter anderem durch dimmbare LED- und Energiesparlampen irritiert. Die Smart Meter, die zu viel Stromverbrauch erfassten, waren sämtlich mit Rogowski-Spulen zur Strommessung ausgestattet. Die Smart Meter mit Hall-Sensoren ermittelten dagegen in der Regel zu niedrige Werte.

Das Forum Netztechnik/Netzbetrieb (FNN) im Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) betonte indes, dass die erfassten Probleme durchaus länger schon bekannt seien. Ursache dafür seien hochfrequente Ströme im Frequenzbereich von 2 bis 150 Kilohertz, die etwa Solar-Wechselrichter erzeugten, wenn eingebaute Filter nicht ausreichend dimensioniert seien. Das FNN habe deshalb bereits 2010 gemeinsam mit der VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut GmbH Untersuchungen durchgeführt. Die Ergebnisse und Schlussfolgerungen seien in den „Leitfaden zur Bewertung der Zuverlässigkeit und Messbeständigkeit von Elektrizitätszählern und Zusatzeinrichtungen“ eingeflossen.

Für den anstehenden Rollout moderner Messeinrichtungen und intelligenter Messsysteme in Deutschland sei durch das FNN unter Bezug auf den Leitfaden ein Basiszähler definiert worden. Bisher seien keine Fehlmessungen an Geräten, die nach FNN-Lastenheften entwickelt wurden, bekannt.

Die intensive Auseinandersetzung mit dem Komplex intelligente Messsysteme ist unabhängig hiervon in jedem Fall angeraten. Auf der forcierten Verbreitung entsprechender Messeinrichtungen basieren zukunftsträchtige Geschäftsmodelle, die dem Vertrieb kommunaler Energieversorger Impulse geben können. Die ASEW hat deshalb kürzlich die Projektgemeinschaft Geschäftsmodelle mit intelligenten Messystemen ins Leben gerufen. Die hier erarbeiteten Ergebnisse sollen künftig dem gesamten Netzwerk zugute kommen.

Ansprechpartner
Christoph Landeck 
0221.931819-18
landeck@asew.de



zurück

Ansprechpartner:

Markus Edlinger

E-Mail edlinger@asew.de
Fon 0221 / 93 18 19 - 21
Fax 0221 / 93 18 19 - 9

 Warenkorb

Mitgliederbereich 

<< September 2017 >>
  Mo Di Mi Do Fr Sa So
35 1 2 3
36 4 5 6 7 8 9 10
37 11 12 13 14 15 16 17
38 18 19 20 21 22 23 24
39 25 26 27 28 29 30
Heute: 20. September 2017

Newsletter