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Grünstrom: Kratzen an der 100-Prozent-Marke

Es waren vorläufige Zahlen, die aufhorchen ließen: Nach einer Auswertung von Agora Energiewende wurde am Pfingstsonntag der Statistik nach für kurze Zeit der gesamte Stromverbrauch in Deutschland komplett aus erneuerbaren Energien gedeckt. Tatsächlich produzierten erneuerbare Energien nach den endgültigen Daten am Pfingstsonntag gegen 14.00 Uhr genug Strom, um den Stromverbrauch zu mehr als 80 Prozent zu decken. Demnach speisten Wind- und Solaranlagen, Wasser- und Biomassekraftwerke Strom mit einer Leistung von knapp 47 Gigawatt in das Netz ein. Der Stromverbrauch betrug gleichzeitig rund 57 Gigawatt. Hierfür war vor allem ausschlaggebend, dass aufgrund des Feiertags der Stromverbrauch im relativ niedrigen Bereich lag. Zu Pfingsten wurden schon in den vergangenen Jahren regelmäßig Rekorde erzielt.

Die vier Übertragungsnetzbetreiber mussten aufgrund dieser hohen, volatilen Stromerzeugung gleichzeitig fast 8,4 Gigawatt an konventionellen Kraftwerken zur Absicherung von plötzlichen Schwankungen im Netz bereithalten. Deutschland musste zur Netzstabilisierung erneut größere Strommengen exportieren. Vor allem aber mussten große Verbraucher durch negative Börsenstrompreise zum Anfahren von Großverbrauchern animiert werden. Letztlich hat, so der Schluss des Handelsblatts, das Hochfahren der Industrieproduktion wohl auch verhindert, dass Stromverbrauch und grüne Stromproduktion im Einklang waren.

Nur eine Woche früher hatte die deutsche Stromproduktion bereits einen Rekord aufgestellt: Wegen Dauersonne und kräftigem Wind machte die Produktion regenerativer Energien an Muttertag 78,5 Prozent der Gesamtstromproduktion aus. Nach Angaben des Verbands europäischer Übertragungsnetzbetreiber (ENTSOe) beinhaltete der deutsche Strommix 53 Prozent regenerativer Energien. Dass der Anteil so hoch war, lag auch an dem langen Himmelfahrtswochenende, wo der Verbrauch vergleichsweise niedrig ist. An der Strombörse rutschte der Preis für die Megawattstunde in den Mittagsstunden so weit in den Minusbereich wie zuletzt im Winter 2012. Dass parallel mehrere Atomkraftwerke wegen Revision abgeschaltet waren, wirkte sich nach Angaben von Agora Energiewende kaum aus.

Die Stromerzeugung aus Windkraftanlagen in Deutschland wird  im laufenden Jahr wahrscheinlich erstmals die Stromproduktion aus Atomkraftwerken überholen. Das geht aus einer ersten Hochrechnung des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR) auf der Basis aktueller Daten hervor. Grund ist der Windkraftzubau im letzten Jahr, der sich 2016 in den Erzeugungsdaten erstmals ganzjährig auswirkt, sowie der aktuelle Ausfall mehrerer Atomkraftwerke über einen längeren Zeitraum. Ein wesentlicher Treiber für den Schub bei der Windstromerzeugung sind die Windkraftanlagen auf dem Meer, die in diesem Jahr die volle Produktionsleistung erreichen. Wie IWR-Direktor Dr. Norbert Allnoch sagte, würden allein die deutschen Offshore-Windkraftanlagen im Jahr 2016 sicher erstmals die Marke von 10 Milliarden Kilowattstunden Strom knacken. 2015 lag die Stromerzeugung aus Windenergie in Deutschland mit insgesamt 88 Milliarden Kilowattstunden nur noch knapp hinter der Produktion aus Atomenergie mit 91,8 Milliarden Kilowattstunden. Für 2016 erwartet das IWR einen Rückgang der Stromproduktion aus deutschen Atomkraftwerken auf deutlich unter 90 Milliarden Kilowattstunden und damit auf den niedrigsten Stand seit Anfang der 80er Jahre. Die Windstromerzeugung in Deutschland könnte je nach Windjahr erstmals die Marke von 100 Milliarden Kilowattstunden erreichen.

 

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