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Buchtipp: Schellnhubers Parforceritt durch das Erdklima

Regierungsberater, Gründer und erster Chef des renommierten Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Mitglied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften und als solcher maßgeblich an der Formulierung der Enzyklika „Laudato si“ beteiligt – all dies trifft auf Prof. Hans Joachim Schellnhuber zu. Sein neuestes Buch befasst sich, kaum verwunderlich, mit dem Weltklima und dem  Einfluss vor allem des modernen Menschen auf das planetare Klimasystem.  Auf mehr als 700 Seiten entwickelt Prof. Schellnuber in „Selbstverbrennung. Die fatale Dreiecksbeziehung zwischen Klima, Mensch und Kohlenstoff“ ein Bild der Klimageschichte des Planeten. Dem maßgeblichen Einfuss, den der Mensch in den letzten 200 Jahren, vor allem durch einen stetig steigenden Ausstoß an Treibhausgasen, auf das Klima genommen hat, widmet „Selbstverbrennung“ den meisten Raum. Dabei erweist sich die Darstellung als wahrer Parforceritt nicht nur durch die letzten fünf Milliarden Jahre des planetaren Klimageschehens, sondern – fast möchte man sagen noch bewegter – der letzten Jahrzehnte weltweiter UN-Klimapolitik.

Dabei erweist sich Schellnhuber als ebenso gut informierter wie kurzweilig und überaus fesselnd schreibender Erzähler. Allerdings schwingt in fast jeder Formulierung ein sehr professorales Denken mit. Das macht die Lektüre für jemanden, der nicht Jahre in Universitäten zugebracht hat, stellenweise ob vielfacher Fremdwörter etwas schwer lesbar. Dieses Defizit wird indes durch die sehr persönlich gehaltenen Blicke hinter die Kulissen der Weltklimakonferenzen wettgemacht. Schellnhuber, der „Vater“ des 2-Grad-Ziels, warnte kürzlich erst im SPIEGEL vor den weitreichenden Folgen, die ein weiterer Anstieg des Weltklimas haben könnte: „Wenn wir weiter wie von Sinnen Kohle, Öl und Gas verfeuern, landen wir bei 4 Grad oder gar 8 Grad. Dann würden wir uns in einer brandgefährlichen Welt wiederfinden, in der elf Milliarden Menschen wohl kaum friedlich zusammenleben könnten.“

Schellnhubers Buch ist vertrieblich äußerst günstig knapp einen Monat vor Beginn des Weltklimagipfels (COP 21) in Paris erschienen. Seit heute bemühen sich dort 40.000 Delegierte aus 190 Ländern, um nach mehr als 18 Jahren den in Aussicht stehenden Weltklimavertrag auf den Weg zu bringen, der dem Klimawandel wirkungsvoll entgegenwirken soll. Das Fazit, bereits im Vorwort gezogen, ist ein eindringlicher Appell an die Weltpolitik: „Das Klimasystem […] hat […] durch seine früheren Schwankungen eine intelligente Lebensform, den Homo sapiens, hervorgebracht und durch seine jüngste Stetigkeit die Landwirtschaft, jene Grundlage aller Kultur, ermöglicht. Der moderne Mensch zeigt sich dafür jedoch nicht dankbar, denn er ist einen historischen Pakt mit dem Kohlenstoff eingegangen, der sich gegen das Klima richtet: Wie ein freigesetzter Flaschengeist erfüllt C dem Homo sapiens jeden Energiewunsch und lässt die Überflussgesellschaft entstehen. Doch gleichzeitig erhitzt der rasend aufsteigende Luftkohlenstoff den Globus über alle zuträglichen Maße und wendet sich damit gegen seine Befreier. Ergo geht unsere Zivilisation den Weg in die Selbstverbrennung – aus Gier, aus Dummheit und vor allem aus Versehen.“ In jedem Fall eine Lektüre, die mit großem Gewinn verbunden ist. 

 

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