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Europäischer Strommarkt ohne deutschen Strom?

Die Energiewende sorgt – insbesondere im zurückliegenden Sommer – in den Nachbarländern für Unmut. Der Grund: Der Umstieg von Atom- und Kohlestrom auf Wind- und Solarenergie stößt auf ein hierfür nicht ausgelegtes Übertragungsnetz. Die Auswirkungen spürten im Sommer vor allem Tschechien, Polen, die Niederlande, Belgien und Frankreich. In Phasen hoher PV- und Windstromproduktion leitet Deutschland seine Stromüberschüsse verstärkt über die Netze seiner Nachbarstaaten – diese Ring- oder Parallelflüsse, sogenannte Loop Flows, belasten dort die Stromnetze. Durch die ungeplanten Stromeinspeisungen steigt die Gefahr eines Blackouts. Zudem wird die heimische Energiewirtschaft geschwächt, die ihre Produktion drosseln muss, um einen Stromausfall abzuwenden. Martin Povejšil, ständiger Vertreter Tschechiens bei der EU, sagte: „Wenn im Norden ein starker Wind weht, bekommen wir ihn ab, dann haben wir den Blackout.“

Um den häufig unerwarteten Stromüberschüssen ein Ende zu bereiten, gehen die betroffenen Länder das Problem nun selbst an. Tschechien beispielsweise installiert derzeit Blockadevorrichtungen, die 2016 in Betrieb gehen sollen. Auch Polen arbeitet an sogenannten Phasenschiebern mit dem Ziel, sie noch in diesem Jahr nutzen zu können. Im Westen haben sowohl die Niederlande als auch Belgien und Frankreich unabhängig voneinander solche Leistungstransformatoren installiert. Das US-Magazin „Politico“ zitiert einen EU-Diplomaten mit den Worten: „Wir haben den Deutschen gesagt, entweder ihr baut euer Stromnetz aus, oder wir sperren euch aus.“

Die Diskussionen zeigen, welche Konsequenzen der Ausbau Erneuerbarer Energien haben kann. Joanna Mackowiak Pandera von Agora Energiewende führt die Entwicklung auf den Zustand der deutschen Übertragungsnetze zurück: „Als es nur Kohle- und Kernkraftwerke gab, war das Energiesystem sehr berechenbar. Nun wird es immer weniger berechenbar, da mehr und mehr alternative Energiequellen ans Netz gehen.“ Auch Walter Boltz, Vizepräsident des Regulierungsgremiums bei der Agentur zur Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden (ACER), fordert einen weiteren Netzausbau, „wenn wir mehr erneuerbare Energie nutzen wollen.“ Die einfachste Lösung für Deutschland sei es, die Leitungen einfach zu bauen. Alternativ könnten Betreiber die Windenergieproduktion an sehr windreichen Tagen herunterfahren.

Deutschland hat das Problem bereits vor längerer Zeit erkannt und für bilaterale Abhilfe gesorgt. Mit Tschechien besteht ein Abkommen, um grenzüberschreitende Energieströme zu regulieren und das tschechische System vor Überladung zu schützen. Ein ähnliches Abkommen wurde zwischen Polen und Deutschland vereinbart. Außerdem hat Deutschland im Juni einen Vertrag mit elf Nachbarn geschlossen, darunter auch Frankreich, Polen und Tschechien. Dadurch soll die Integration der jeweiligen Energiemärkte vorangebracht und Überproduktion vorgebeugt werden, sodass am Ende der Markt über die Preise entscheidet.

 

www.politico.de



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