sustainKMU

sustainKMU

Im Mai 2019 startete offiziell das Forschungsprojekt sustainKMU – Mitarbeiterzentrierte Qualifizierung und digitale Assistenz zur Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz in KMU. Im Verbund mit den Forschungs- und Industriepartnern der Universität Siegen, der statmath GmbH, der ASEW, der si-automation GmbH und der Slawinski & Co. GmbH, werden im Rahmen einer Living Lab-basierten Forschung und Entwicklung anwendungsnah und gemeinsam geeignete IT-Infrastrukturen und digitalisierungsorientierte Qualifizierungsmaßnahmen entwickelt, die KMU aktiv dabei unterstützen, ein systematisches und kontinuierliches Energie- und Ressourcenmanagement aufzubauen und zu etablieren.

Motivation des Projekts

Der effiziente Umgang und die schonende Nutzung von Energie und Ressourcen ist eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen der heutigen Zeit. Nach Angaben des Bundesumweltamts betrug der Energieverbrauch in der Industrie sowie im Handel und im Gewerbe in Deutschland im Jahr 2016 insgesamt 375 Terawattstunden (TWh). Betrachtet man die Entwicklung des Stromverbrauchs und damit auch der Emission von Treibhausgasen (THG) innerhalb dieser Sektoren über die letzten 30 Jahre, so zeigt sich trotz des Ausbaus erneuerbarer Energien und der Einführung von Einspar- und Energieeffizienzmaßnahmen eine steigende Verbrauchs- bzw. Emissionstendenz. Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, haben die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union die Energieeffizienzrichtlinie 2012/27/EU erlassen, aus der die Pflicht für Nicht-KMU entstand, erstmals bis zum Dezember 2015 ein Energieaudit durchzuführen.

Ansprechpartner Stefan Schulze Sturm

Dipl.-Kfm. Stefan Schulze-Sturm
Leiter Forschungsprojekte
Leiter Büro Brüssel
Telefon: +32 2740 / 16 -58

Einsparpotenziale identifizieren & realisieren

Vor dem Hintergrund, dass durch Energieaudits nach DIN EN 16247-1 eine Erhöhung der Energie- und Ressourceneffizienz von bis zu 20 % erreicht werden kann, sollen Unternehmen dazu motiviert werden, systematisch ihre Energieflüsse zu analysieren und Einsparpotenziale zu identifizieren. Rund 99,3 % der Unternehmen in Deutschland zählen hingegen zu den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und sind formal von der Pflicht zur Durchführung eines Energieaudits befreit, obwohl sie ein entscheidender Faktor bei der Erreichung der verbindlichen Klimaschutzziele der Bundesregierung sind. In KMU existiert ein hohes Potenzial für Energie- und Ressourceneinsparungen, welches aufgrund verschiedener Hemmnisse häufig ungenutzt bleibt. Somit beschäftigen sich viele KMU nicht systematisch mit Einsparpotenzialen oder Optimierungsmaßnahmen, weil sie den verbundenen finanziellen, zeitlichen und personellen Aufwand häufig als zu hoch einschätzen. Es mangelt an speziell für KMU angepasste Lösungen, die die Einführung und den Betrieb von systematischen und nachhaltigen Effizienzstrukturen aktiv unterstützen und Mitarbeiter*innen in das Zentrum dieser Entwicklungen stellen.

Grafik: sustainKMU
Unsere Ziele

Ziel des Verbundvorhabens sustainKMU ist es daher, diese Hemmnisse abzubauen sowie den wahrgenommenen Aufwand für KMU zu verringern, indem diese proaktiv bei der Optimierung ihres Energie- und Ressourcenverbrauchs unterstützt werden. Gemeinsam mit KMU soll eine Infrastruktur erarbeitet werden, die Energiemanagementstrukturen digital überführt und somit die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben vereinfacht, die Umsetzung von Effizienzmaßnahmen unterstützt, die energetische Überwachung von Prozessen und Maschinen ermöglicht und das Energiemanagement besser in die Arbeitspraktiken des Unternehmens integriert. Das Ziel, die Energie- und Ressourceneffizienz bei KMU durch die Entwicklung nachhaltiger und assistierender Konzepte und Softwaresysteme zu erhöhen, kann auf der technischen Ebene verortet werden und ist dabei eng mit der Sensibilisierung, Motivation und Qualifikation von Mitarbeiter auf der sozialen bzw. Handlungsebene verknüpft. Deshalb wird in sustainKMU ein dualer Ansatz entwickelt, der sowohl technische Entwicklungen als auch Maßnahmen zur Qualifikation und zum Kompetenzaufbau von Mitarbeitern umfasst. Dabei sollen diese dazu befähigt werden, selbst eine IT-gestützte und systematische Energie- und Ressourceneffizienzstrategie durchzuführen und zu verfolgen. Dies soll wesentlich zu einer Verringerung des Aufwands, einem Kompetenzaufbau aufseiten der Mitarbeiter sowie zu einer technischen Unterstützung dieser in KMU beitragen.

Grafik: EFRE
Unser Beitrag

SustainKMU liefert einen wichtigen Beitrag zur Erfüllung der Klimaschutzziele der Bundesregierung und somit zur Umsetzung der (digitalen) Energiewende, indem KMU sowohl bei der systematischen Auswertung und Überwachung von energierelevanten Daten als auch bei der Durchführung und Integration systematischer Energie- und Ressourceneffizienzstrukturen aktiv unterstützt und Aufwände reduziert werden. Das Vorhaben setzt auf ein sozio-technisches System, welches durch eine integrierte Organisations- und Technikentwicklung in KMU, die angestrebten Effizienzgewinne zu erreichen sucht. Durch die Überführung etablierter Verfahren in eine einfache und kontinuierliche Struktur, werden Unternehmen dazu befähigt, Einsparpotenziale nicht nur punktuell zu erfassen, sondern Effekte, die nach der Umsetzung spezifischer Maßnahmen und Investitionen durchgeführt wurden, nachzuhalten. Zusätzlich ermöglichen die (IT-gestützten) Qualifikationsmaßnahmen Mitarbeitern einen leichten Zugang zu einem Lern- und Weiterbildungsprozess, der speziell auf den nötigen Aufbau von Kompetenzen in KMU zugeschnitten ist. SustainKMU liefert somit einen wichtigen Beitrag auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Gesellschaft und erlaubt es KMU, sich zukunftsträchtiger im Bereich der großen gesellschaftlichen Herausforderung der Energie- und Ressourceneffizienz aufzustellen.