Das Sustainability Spotlight August hat erneut aktuelle Entwicklungen aus der Nachhaltigkeitsregulierung und Treibhausgasbilanzierung aufgegriffen. Im Mittelpunkt standen die Delegated Acts zu ESRS und VS, Neuigkeiten zum Lieferkettengesetz und zur Entgelttransparenz sowie Entwicklungen beim GHG Protocol und der Europäischen Zentralbank.
- Neue ESRS-Datenpunktliste: Die EFRAG hat einen Entwurf der Datenpunktliste zu den überarbeiteten European Sustainability Reporting Standards (ESRS) veröffentlicht. Sie löst die bisherige IG-3-Liste ab. Rückmeldungen zu methodischen Fehlern sind bis zum 23. Oktober 2026 möglich, die finale Fassung ist bis Ende 2026 geplant.
- Vom VSME zum VS: Der Voluntary Standard (VS) ersetzt den VSME und richtet sich an nicht berichtspflichtige Unternehmen mit bis zu 1.000 Beschäftigten. Neben strukturellen und inhaltlichen Anpassungen ist insbesondere der Value Chain Cap relevant. Das neuveröffentlichte DNK-Factsheet gibt einen Überblick über die Änderungen.
- GModG statt GEG: Das seit dem 29. Juli 2026 geltende Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) verändert zentrale Vorgaben für Heizungsanlagen. Die 65-Prozent-EE-Vorgabe und bestimmte Betriebsverbote entfallen. Stattdessen gilt für neue Gas- und Ölheizungen eine stufenweise steigende Quote CO₂-neutraler Brennstoffe. Weitere Regelungen betreffen unter anderem Gebäudenetze, CO₂-Kosten, Energieausweise, Solarpflichten und die Länderöffnungsklausel. Verbände warnen vor geringerer Planungssicherheit und Verzögerungen bei der Wärmewende.
- Greenwashing bei Zukunftsversprechen: Eine weitere, erfolgreiche Klage der Deutschen Umwelthilfe gegen Continental reiht sich in die zahlreichen Gerichtsverfahren wegen Greenwashing ein. Continental darf langfristige Aussagen wie „100 % Klimaneutralität“ nicht mehr ohne nachvollziehbare Umsetzungspläne verwenden. Der Fall unterstreicht: Ambitionierte Klimaziele benötigen transparente Maßnahmen und belastbare Transformationspfade.
- Klimaziele unter veränderten Rahmenbedingungen: Die MVV Energie verschiebt ihr ambitioniertes Ziel, klimapositiv zu werden, von 2035 auf „möglichst“ 2040. Als Gründe nennt das Unternehmen fehlende Investitionssicherheit und konjunkturelle Unsicherheiten. Das Beispiel zeigt, wie wichtig die regelmäßige Prüfung und transparente Anpassung von Klimastrategien ist.
- Extremwetter als betriebswirtschaftlicher Faktor: Hitze, Dürre und Waldbrände beeinflussen zunehmend Produktion, Infrastruktur, Investitionen, Versicherungen und Finanzierungen. Physische Klimarisiken werden damit zu einer strategischen Aufgabe für Geschäftsmodelle und Unternehmenssteuerung. Gleichzeitig wächst insbesondere in den USA der politische Widerstand gegen Nachhaltigkeitsvorgaben, wodurch auch europäische Berichts- und Sorgfaltspflichten unter Druck geraten.
- SBTi Power Sector Net-Zero Standard: Die Science Based Targets-Initiative hat einen zweiten Konsultationsentwurf veröffentlicht. Der Standard umfasst die gesamte Wertschöpfungskette des Stromsektors und ist an den Corporate Net-Zero Standard V2.0 angebunden. Ein Target-Setting-Tool unterstützt Unternehmen bei der Berechnung möglicher Zielpfade. Rückmeldungen sind bis zum 7. September 2026 möglich.
Das nächste Sustainability Spotlight findet am 7. Oktober statt.