Köln – Sechs Stadtwerke, unterschiedliche Aktionen, ein gemeinsamer Gedanke: Bei der ersten Stadtwerke-Umweltwoche der ASEW haben kommunale Energieversorger eine Woche lang konkrete Umweltmaßnahmen an ihren Standorten umgesetzt. Die Aktionswoche fand vom 21. bis 27. September im Rahmen der Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit des Rates für Nachhaltige Entwicklung statt.
Klimawaage, Müllsammelaktionen, Bodenfeuchtesensoren, Nistkästen oder gleich eine komplette interne Themenwoche: Die vor Ort umgesetzten Ideen der ersten Stadtwerke-Umweltwoche der Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (ASEW) zeigten eindrucksvoll, wie vielfältig die deutschen Stadtwerke aufgestellt sind. Wie unterschiedlich Umweltmaßnahmen vor Ort aussehen können zeigten die EWR AG, die SWN Stadtwerke Neumünster, die Stadtwerke Bonn, die Stadtwerke Augsburg, die Stadtwerke Velbert und die ESWE Versorgungs AG. Die ASEW selbst beteiligte sich mit einer eigenen Veedel-Müllsammelaktion.
„Entstanden ist die Idee bereits im vergangenen Jahr, der entscheidenden Impuls kam aus dem ASEW-Netzwerk, nämlich von Bärbel Krohn von den Stadtwerken Velbert“, erklärt Goldy Raimann, Gruppenleiterin Nachhaltigkeit bei der ASEW. „Die Leitfrage hierbei ist: Warum nicht gemeinsam zur gleichen Zeit mit Nachhaltigkeit oder Umweltschutz sichtbar für jeden genau dort beginnen, wo Stadtwerke selbst Einfluss nehmen können? Die ASEW griff diesen Gedanken auf und entwickelte daraus die gemeinsame Aktionswoche.“
Den passenden Rahmen boten die Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE). Sie finden 2026 vom 18. September bis zum 8. Oktober statt und sollen bundesweit sichtbar machen, wie Nachhaltigkeit durch konkrete Aktionen im Alltag, in Kommunen und Organisationen umgesetzt werden kann. Die Aktionstage gibt es seit 2012.
Zur Vorbereitung sammelte die ASEW gemeinsam mit ihren Mitgliedern erprobte und leicht übertragbare Umweltmaßnahmen. Dieser Katalog diente dann als Ideensammlung. Die Umweltwoche war explizit nicht nur für teilnehmende Unternehmen konzipiert, sondern sollte und soll auch anderen Stadtwerken einen möglichst einfachen Einstieg ermöglichen.
„Der Bereich Nachhaltigkeit erfordert aktuell wahnsinnig viel Zeit für Datenpunkte, Berichtspflichten und Strategien. Das alles ist natürlich wichtig. Aber irgendwann muss man den Laptop zuklappen und handeln. Genau darum ging es uns bei der Umweltwoche: Nicht weiterhin auf die perfekte Maßnahme warten, sondern schauen, was man selbst in der Hand hat und selbiges umsetzen, am besten natürlich dem Netzwerkgedanken folgende gemeinsam“, so Raimann.
Von Klimawaage bis Nistkasten
Wie unterschiedlich dieses Handeln aussehen kann, zeigten die beteiligten Unternehmen eifrig während der zurückliegenden Woche:
Die EWR AG stellte eine Klimawaage auf, bei der Besucherinnen und Besucher zunächst einschätzen konnten, welche von zwei Alltagsmaßnahmen mit einer größeren Emissionsminderung verbunden ist, um ihre Einschätzung anschließend anhand der hinterlegten Vergleichswerte zu überprüfen. Ergänzend lud ein digitales Nachhaltigkeitsquiz mit Fragen aus den Bereichen Ökologie, Soziales und Wirtschaft zum Mitmachen ein. „Nachhaltigkeit wird besonders dann greifbar, wenn Menschen selbst aktiv werden können“, ist Anja Vogt, Nachhaltigkeitsmanagerin bei der EWR AG, überzeugt. „Mit der Klimawaage und dem Quiz wollten wir Denkanstöße geben und zum Mitmachen einladen. Die vielen Gespräche vor Ort haben gezeigt, dass Interesse an Nachhaltigkeit vorhanden ist, wenn dies verständlich und lebensnah vermittelt wird.“
Die SWN Stadtwerke Neumünster machten aus der Aktionswoche gleich fünf Thementage. Klimawandel, Umweltverschmutzung, Wasser und Meeresressourcen, Biodiversität und Ökosysteme sowie Ressourcen und Kreislaufwirtschaft wurden mit unterschiedlichen internen Formaten aufgegriffen. Dazu gehörten unter anderem ein internes Nachrichtenvideo, ein Fotowettbewerb, ein Samenworkshop und Fun Facts zum Mitraten.
Bei den Stadtwerken Bonn und den Stadtwerken Augsburg ging es dagegen nach draußen.
Die Bonner Stadtwerker:innen sammelten bei einem Feierabend-Cleanup Müll entlang des Rheinufers. „Wir haben uns bewusst fürs Müllsammeln rund um unseren Standort Theaterstraße entschieden, um die Nachbarschaft etwas schöner zu gestalten“, führt Carla Moschner, Team Klimamanagement der Stadtwerke Bonn, die Intention hinter der Aktion aus. „Durch die zufällige Zusammenstellung der Sammelteams konnten sich Mitarbeitende aus unseren verschiedenen Gesellschaften neu kennenlernen, über Nachhaltigkeit bei den SWB austauschen und dabei noch zur Nachhaltigkeit vor Ort beitragen. Die schönste Rückmeldung am Ende: Lasst uns das noch viel öfter gemeinsam machen!“
In Augsburg führte die Aktion an die Dürrenastheide. Dort wurde gemeinsam mit dem Landschaftspflegeverband, dem swa-Wasserbulli und dem AWS Müll gesammelt. Auch Kinder waren eingeladen, sich an der Aktion zu beteiligen. „Beim Müllsammeln hat sich gezeigt, wie unkompliziert gemeinsames Engagement sein kann“, gibt Lea Spieckerhoff, Nachhaltigkeitsmanagerin der swa, zu bedenken. „Ohne Aufwand oder Vorbereitung konnten Kolleg*innen aus unterschiedlichen Bereichen mitmachen, sich austauschen und bei Snacks und frischem swa-Wasser nebenbei noch was für die Umwelt tun. Spätestens beim Blick auf zwei große gefüllte Müllsäcke nach nur einer Stunde wurde deutlich, dass man gemeinsam auch in kurzer Zeit viel erreichen kann. Besonders toll zu sehen war, dass die Kolleg*innen am Ende der Aktion gar nicht mehr an auffällig herumliegendem Müll vorbeigehen konnten.“
Bei der ESWE Versorgungs AG wurden neue Nistkästen auf dem Betriebsgelände in Wiesbaden angebracht. Sie bieten heimischen Vogelarten zusätzliche potenzielle Brutplätze und zeigen, wie sich auch bestehende Unternehmensflächen mit vergleichsweise einfachen Maßnahmen nachhaltig nachrüsten lassen.
Die Stadtwerke Velbert wiederum setzten auf Technik und konkrete Maßnahmen vor Ort. Fünf Bäume auf dem Vorplatz des Unternehmens wurden mit Bodenfeuchtesensoren ausgestattet. Diese erfassen die Feuchtigkeit im Wurzelbereich und sind bereits an das LoRa-Funknetz der Stadtwerke angebunden. Zusätzlich wurden die Messdaten mit den Daten einer Wetterstation verknüpft. Über ein eigens programmiertes Dashboard können die Werte zentral eingesehen und für die Bewässerungsplanung genutzt werden. So kann beispielsweise anhand der gemessenen Restfeuchte und der Wetterprognose entschieden werden, ob bewässert wird oder angekündigter Regen zunächst abgewartet werden kann. Als zweite Aktion brachten die Stadtwerke gemeinsam mit dem Abteilungsleiter Forst der Technischen Betriebe Velbert bereits vorhandene Nistkästen und Bienenhotels bei der Lebenshilfe e. V. an. „Bei den Nachhaltigkeitstagen der ASEW in Münster ging es viel um Austausch und Netzwerken“, ordnet Bärbel Krohn, Nachhaltigkeitsmanagerin der Stadtwerke Velbert, den Impuls für das Engagement während der Umweltwoche ein. „Ich konnte heraushören, dass viele Stadtwerke tolle Ideen haben; gerade für kleinere Stadtwerke ist es oftmals aber schwer, diese Ideen in die Tat umzusetzen. Durch die Ideensammlung und -beschreibung war die erste Hürde genommen. Ich finde es großartig, dass wir mit der Umweltwoche gemeinsam Sichtbarkeit bewiesen haben, denn Nachhaltigkeit geht weit über die Regulatorik hinaus. Gerade umgesetzte Maßnahmen sind heutzutage Teil der Strategie.“
Im Fall der Stadtwerke Velbert schließt sich zudem ein Kreis: Von dort kam im vergangenen Jahr der ursprüngliche Impuls für die gemeinsame Umweltwoche.
Ideen ausdrücklich zum Nachmachen
Mit dem Ende der Aktionswoche endet nicht das Engagement. Die von den ASEW-Mitgliedern zusammengetragene Maßnahmensammlung bleibt weiterhin verfügbar. Sie umfasst Ideen aus den Bereichen Recycling und Kreislaufwirtschaft, Biodiversität und Natur, Klimaschutz sowie Wasser. Stadtwerke können bestehende Ansätze aufgreifen und an die eigenen Standorte und Rahmenbedingungen anpassen.
„Wir müssen nicht in jedem Stadtwerk jeden Tag aufs Neue das Rad neu erfinden. Wenn eine gute Idee in Velbert, Neumünster, Augsburg oder anderswo funktioniert, darf das nächste Stadtwerk sie sehr gerne schamlos kopieren. Wissen zu teilen ist schließlich der Sinn eines Netzwerks“, so Raimann.
Die Stadtwerke-Umweltwoche knüpft damit auch an den Grundgedanken der Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit an. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung will mit dem bundesweiten Aktionszeitraum Engagement sichtbar machen, Aufmerksamkeit für Nachhaltigkeit schaffen und weitere Menschen und Organisationen zum Handeln motivieren.
Weitere Informationen und die Ideensammlung zur Stadtwerke-Umweltwoche gibt es unter
www.asew.de/asew-umweltwoche/.
ASEW-Profil
Die Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (ASEW) ist mit 400 Mitgliedern das größte deutschsprachige Stadtwerke-Netzwerk für Energieeffizienz, Klimaschutz und erneuerbare Energien. Die ASEW wurde 1989 aus dem Verband kommunaler Unternehmen (VKU) heraus gegründet. Das Ziel: Eine rationelle, sparsame und umweltschonende Energie- und Ressourcenverwendung zu fördern. Die ASEW berät und unterstützt ihre Mitglieder in diesen Bereichen und entwickelt für sie innovative Produkte und Dienstleistungen, die zum Umwelt- und Klimaschutz beitragen. Das Portfolio der ASEW umfasst Produkte für Vertrieb und Kundenberatung, außerdem Seminare und Qualifizierungsangebote sowie eine Kunden- und Fördermittelberatung.
Markus Edlinger
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