Europa wird sich wohl nie gänzlich selbst mit der benötigten Energie versorgen können. Aber der Betrag für Energierohstoffe, der jährlich aus Europa abfließt, könnte um fast 90 Prozent gesenkt werden.
Zu diesem Ergebnis kommt das Forschungszentrum Jülich in einer Studie. Eine europäische Energieunabhängigkeit sei nicht realistisch, aber auch nicht unbedingt erforderlich. Anstelle der heute unerlässlichen Energierohstoffe träten zukünftig neue Abhängigkeiten in Form von Rohstoffen und Technologien, die strategisch geplant werden sollten.
Bei einer gleichbleibenden Nutzung von Erdöl und Erdgas lägen die Kosten dafür im Jahr 2050 EU-weit bei 240 Milliarden Euro. Wäre die EU dann klimaneutral, fielen nur 26 Milliarden Euro an, unter anderem für Wasserstoff, Methan und andere Rohstoffe.
Das Geld wird allerdings nicht eingespart, sondern in die lokale Infrastruktur und das Energiesystem investiert. Fließen die Investitionen in Infrastruktur, wird dies das Wirtschaftswachstum zwar bremsen, aber nicht stoppen. Ab Mitte des nächsten Jahrzehnts würde der Rückstand bei einem ambitionierten Ausbau schnell zurückgehen.
Wird die Energiewende langsamer vorangetrieben, bleibt der Rückstand länger bestehen. Ein verzögerter Ausbau des Energiesystems wäre demnach deutlich teurer.
Sind die Lieferketten für Rohstoffe und Technologie ausreichend breit diversifiziert, sieht die Studie trotz weiter bestehender, wenn auch deutlich geringerer Importabhängigkeit kaum noch Risiken für die EU bei globalen Energiepreisschocks.
Verteuern sich Öl und Gas plötzlich um 50 Prozent, steigen die Energiepreise ohne den Ausbau erneuerbarer Energien um 38 Prozent. Ist das Energiesystem der EU hingegen vollständig klimaneutral, liegt die Teuerung bei 4 Prozent.
Um das zu erreichen, muss die Stromproduktion mehr als verdreifacht werden, die Leistung aus Windkraft und Photovoltaik müsste sich jeweils verfünffachen. Das aktuelle Tempo beim Zubau von Solaranlagen ist dafür ausreichend. Windkraft müsste allerdings dreimal so schnell ausgebaut werden wie zuletzt.