Ein Ziel des ehemaligen Ostblocks hieß: Überholen ohne einzuholen. Was das genau bedeutete, blieb bis zuletzt offen für Spekulationen. Immerhin könnte dieser vor allem von der DDR-Regierung verwendete Slogan durchaus auf viele Staaten dieser Erde zutreffen, die ihre Energieinfrastruktur entwickeln. Denn dabei überspringen sie in der Regel das fossile Zeitalter und setzen direkt auf erneuerbare Energien. Darauf weist eine gemeinsame Studie der britischen Initiative Carbon Tracker und des indischen Instituts CEEW hin. Die beiden Organisationen haben dafür Daten und Prognosen der Internationalen Energieagentur IEA und der OECD ausgewertet.
Demnach hat die Welt-Stromproduktion aus fossilen Quellen ihren Höhepunkt wohl bereits 2018 überschritten. Vor allem wegen der stark gesunkenen Kosten von Solar- und Windkraft würden viele Entwicklungsländer beim Ausbau ihrer Energieerzeugung die klassichen fossilen Energieträger quasi überspringen. Forciert werde das zudem dadurch, dass der Energieverbrauch in Schwellen- und Entwicklungsländern schneller zunimmt als in den entwickelten Industriestaaten. Bis 2040 würden 88 Prozent des steigenden Strombedarfs in den sogenannten „emerging markets“ anfallen, insbesondere in China, Indien und den asiatischen Tigern wie Vietnam. In den entwickelten Industriestaaten wurde der Höhepunkt der fossilen Stromproduktion dagegen bereits 2007 überschritten.
China spielt hierbei wie so oft eine Schlüsselrolle, weil der Energiebedarf nach wie vor rasant wächst. Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass fast 40 Prozent des steigenden Weltstrombedarfs bis 2040 in China anfallen. Derzeit wird in China noch mehr Kohlestrom zugebaut als Ökostrom, doch werde sich das nach Ansicht der Studienautoren bis 2025 ändern.
China ausgenommen wird der steigende Stromverbrauch in Schwellen- und Entwicklungsländern bereits jetzt zum größten Teil durch erneuerbare Energien gedeckt. 2019 wurden 87 Prozent des Zuwachses der Stromproduktion über Solar- und Windenergie geniert. Dabei rangiert vor allem die Windkraft in dieser Staatengruppe mit 4 Prozent Anteil an der Stromproduktion bislang jedoch noch auf einem nachrangigen Platz. Eine Parallele sehen die Studienautoren in der Entwicklung der Telekommunikationsnetze: Viele Entwicklungsländer haben nie ein Festnetz aufgebaut, sondern selbst in von Kriegen gebeutelten Ländern wie Afghanistan haben sich funktionierende Mobilfunknetze etabliert.