Wasserstoff: Wird Deutschland den Markt dominieren?

vom 04.08.2021

Wasserstoff ist das nächste große Ding der Energiewelt! Deutschland sieht sich hier als Vorreiter und möchte den künftigen H2-Markt maßgeblich prägen, wenn nicht dominieren. So hat die Bundesregierung es in der Nationalen Wasserstoffstrategie festgeschrieben. Indes liegen manchmal Welten zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Und der Schlüssel für den Wasserstoffmarkt liegt wohl eher nicht in Deutschland, sondern in China! Das „überraschende Wachstum von Wasserstoff […] [hierselbst] während der ersten Jahreshälfte“ könnte dafür sorgen, dass der Elektrolyseur-Markt 2022 die Marke von zwei Gigawatt nimmt! Zu diesem Ergebnis kommt der kürzlich veröffentlichte BloombergNEF Hydrogen Market Outlook 2021.

Demnach sieht es danach aus, dass „in der Welt für sauberen Wasserstoff beinahe alles bereit ist, um sich in diesem Jahr zu verdoppeln – von der Installation an Elektrolyseuren bis zur Zahl derjenigen Länder, die eine Wasserstoffstrategie ausarbeiten.“ Allerdings bleibe der reale Bedarf an sauberem Wasserstoff hinter den „aggressiven Kapazitätsausbauplänen“ der Elektrolyse-Industrie zurück. Um das aktuelle Momentum nachhaltig zu gestalten, bedürfe es weiterer politischer Anstrengungen. Hierbei „könnte Chinas CO2-Neutralitätsziel den größten Anteil an dieser Front leisten“.

Auch der Exportmarkt profitiert davon: Er dürfte sich 2021 verdoppeln und 2022 sogar vervierfachen – und dann bei mindestens 1,8 Gigawatt liegen. Auf China entfallen dabei 60 bis 63 Prozent der weltweit installierten Elektrolyseure. Bis 2030 könnte die weltweite Elektrolysekapazität nach Angaben der Entwickler von Elektrolyseuren die Marke von 40 Gigawatt erreichen. Dabei werden Chlor-Alkali-Elektrolyseure aufgrund ihrer besseren Wirtschaftlichkeit mit einem Anteil von 80 Prozent in 2022 weiterhin den Markt beherrschen. Aktuell bauten viele Produzenten mehr Fabrikkapazität auf als eigentlich gebraucht – basierend auf den anziehenden Verkäufen. Die Produktionskapazität könnte dadurch bis 2024 um 16 Gigawatt steigen. Das übersteigt die Nachfrage mehrfach, viele Fabriken blieben so nicht ausgelastet, was sich wiederum in fallenden Preisen manifestiere.

In Europa und China treiben vor allem die poltischen Vorgaben zu Null-Emissionszielen die Entwicklung. Steigende CO2-Preise führten in Europa dazu, dass Industriekonzerne auf Wasserstoff setzten und Entwicklungen vorantrieben. In China investierten große Firmen dagegen in Wasserstoff, um ihre Unterstützung für das von der KPCh verordnete CO2-Neutralitätsziel zu demonstrieren.

Insgesamt steigen die staatlichen Fördersummen, zwischen 2021 und 2030 stehen jährlich 9,65 Milliarden Euro für (fast) CO2-freie Wasserstoffprojekte bereit. Diese Subventionen machen in den meisten Ländern zwar nur 0,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus und liegen damit deutlich unter den Summen, die zur PV-Förderung ausgegeben wurden, aber dies stellt dennoch einen signifikanten Anstieg verglichen mit einigen Jahren zuvor dar.

Insgesamt ist die Welt aber noch einige Jahre entfernt von einer weitgespannten Wasserstoffnachfrage. Nur wenige Länder haben bereits eindeutige Pläne für eine Ankurbelung des Bedarfs vorgelegt. Vielversprechend sind einige größere Projekte, die innerhalb dieser Dekade realisiert werden – viele mehr könnten in China dazukommen. Europäische Pläne für eine eigene Wasserstoff-Lagerinfrastruktur werden in jedem Fall auch breitgefächerte Nachfrage in der Zukunft stimulieren.

Kürzlich erst hatte Bloomberg sich die Entwicklung der Subventionen der G20-Staaten für fossile Energieträger von 2015 bis 2019 angesehen.

Das Wasserstoffkernnetz nimmt Reservierungen entgegen.