Der Weltklimarat IPCC hat den ersten von vier Teilberichten des sechsten Sachstandsberichtes veröffentlicht. Darin zeichnet der Rat ein eher düsteres Bild in Sachen Klimawandel: Extremwetterereignisse, Dürren und durch diese reichlich Nahrung findende Waldbrände seien erst ein Vorgeschmack auf das, was der Klimawandel in Zukunft anrichte, wenn die Menschheit nun nicht entschlossen handle und die Treibhausgas-Emissionen „sofort, schnell und im großen Stil“ reduziere. Bleibe Handeln aus, sei auch das auf der Klimakonferenz von Paris beschlossene 1,5-Grad-Ziel nicht mehr zu halten.
Ein erstes, wichtiges Fazit zieht der IPCC-Bericht bereits: Sieben Jahre und 14.000 Fachveröffentlichungen nach dem fünften Sachstandsbericht seien nun auch die letzten Zweifel beseitigt, dass der Mensch über die THG-Emissionen für den Klimawandel verantwortlich ist. Der IPCC habe einen „Realitätscheck“ für den Klimawandel durchgeführt. Es sei nun „unbestreitbar“, dass der Mensch massiv in das Klimageschehen eingreift und dass die Folgen weltweit im gesamten Klimasystem zu beobachten sind.
Der erste Teilbericht ist in der Tat eine Ansammlung von schlechten Nachrichten:
- Eine Erhöhung der Durchschnittstemperaturen um 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Ära werde wohl schneller erreicht als bisher vermutet. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sei dies bereits in den frühen 2030er-Jahren der Fall. Eindeutig sei in jedem Fall: Werden die THG-Emissionen nicht reduziert, wird die 1,5-Grad-Marke spätestens 2040 genommen.
- Der letzte IPCC-Bericht konstatierte noch einen linearen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur. Diese Annahme gilt nicht mehr, die Forscher legen nun eine sehr schnell steigende Temperaturkurve an, die vor allem davon abhängt, wie viele Treibhausgase emittiert werden.
- Steigt die globale Mitteltemperatur, steigt auch die Wahrscheinlichkeit für extreme Wetterereignisse; diese erfolgen dann zudem immer häufiger und fallen verheerender aus. Die Autoren der IPCC-Studie gehen davon aus, dass Hitzewellen, die bisher nur alle 50 Jahre auftraten, künftig alle zehn Jahre erfolgen.
- Hängen Extremwetterlagen und der Klimawandel ursächlich zusammen? War dies bislang unklar, haben die IPCC-Experten nun genug Hinweise auf eine Koinzidenz gefunden. Die Beobachtung der Hitzewellen in Nordamerika, der Brände in Australien im vergangenen Jahr und anderer Wetterextreme ließen nun quantitative Aussagen über Wetterereignisse zu.
- Auch der Meeresspiegel wird in Folge des Klimawandels steigen – selbst wenn bis 2050 Klimaneutralität erreicht werden sollte. Ende des Jahrhunderts dürfte der Meeresspiegel um rund 62 Zentimeter höher liegen als zwischen 1995 und 2014. Die polaren Eisschilde schmelzen immer stärker, das arktische Meereis ist bereits nur noch ein Viertel so groß wie gewöhnlich. Es sei wahrscheinlich, dass die Arktis bis 2050 in einzelnen Sommern eisfrei sein wird.
- Die zurückliegende Dekade war die heißeste seit 125.000 Jahren! Der gemessene Anstieg der globalen Temperaturen ist unter Einbeziehung aller bekannten, bisher gemessenen oder rekonstruierten, der höchste in diesem Zeitfenster. Inzwischen liegen die natürlichen THG-Emissionen und die menschengemachten gleichauf. Das zeigt: Der Klimawandel ist zu großen Teilen menschengemacht.
Erwartbar führte der IPCC-Bericht zu deutlichen Reaktionen. UN-Generalsekretär António Guterres etwa sagte, die Ergebnisse müssten für die fossilen Energien „die Totenglocke läuten“. Es herrsche „Alarmstufe Rot für die Menschheit“, die Alarmglocken seien „ohrenbetäubend“.
Die britische Regierung, Gastgeber der kommenden Weltklimakonferenz, sieht sofortigen Handlungsbedarf. Premierminister Boris Johnson sagte, er hoffe, dass der Bericht „ein Weckruf für die Welt sein wird, jetzt zu handeln, bevor wir uns im November in Glasgow zum entscheidenden COP26-Gipfel treffen werden“. Es sei klar, „dass die nächste Dekade entscheidend für die Sicherung der Zukunft unseres Planeten sein wird“.
Auch aus den Reihen der Bundesregierung gab es Reaktionen. Bundesumweltministerin Svenja Schulze sieht den Bericht ebenfalls als Mahnung zum schnellen Handeln. „Der Planet schwebt in Lebensgefahr“. Der Klimawandel sei kein Zukunftsszenario, sondern Realität. Man könne sich nur bestmöglich vorbereiten.