Die Welt der Diplomatie lebt von vielen kleinen Gesten, Andeutungen und der Kunst, so geschickt nein zu sagen, dass niemand sich davon auf die Füße getreten fühlt – und natürlich der Gabe, all diese subtilen Signale zu entschlüsseln. Das, was eigentlich jeder kennt, ist der reguläre Weg: Die von einem Land in ein anderes entsandten Botschafter. Doch dann gibt es da noch den nicht-regulären Weg, sprich die Ernennung eines Sondergesandten. Dessen genaue Rechte sind interessanterweise nicht so eindeutig definiert wie die des Botschafters. Letztlich sind das Amt und die Person in der Regel eine Botschaft an sich.
Auf dieses besondere diplomatische Werkzeug greift nun auch die US-Regierung in Bezug auf Deutschland zurück: US-Präsident Joe Biden hat mit Amos Hochstein seinen Sondergesandten für die Gaspipeline NordStream 2 ernannt. Bereits die Person des Gesandten sendet eine deutliche Botschaft: Trotz der formalen Einigung sind die USA nicht gänzlich zufrieden. Der frühere Beamte im US-Außenministerium, Kongressberater und Erdgas-Lobbyist galt als einer der heftigsten Kritiker im Lager der USA am Bau von NordStream 2. Bereits im April fiel der Name Hochstein in Bezug auf die Ernennung eines US-Beauftragten für Belange rund um die in den USA ungeliebte Piepline. Damals wurde er allgemein mit dem eponym „Pipeline-Killer“ versehen.
Mit der Ernenung eines Sondergeandten machen die USA eines deutlich: Dass sie Deutschland im Auge behalten, ob die Zusagen des deutsch-amerikanischen Deals auch eingehalten werden. Unter anderem soll Berlin Druck auf Moskau ausüben, das russisch-ukrainische Gastransitabkommen über 2024 hinaus zu verlängern. Zudem soll die Ukraine zusätzliche Finanzhilfen in Höhe von rund 208,2 Millionen Euro und über einen Fonds Unterstützung bei der Einleitung einer ukrainischen Energiewende erhalten.