Die Pandemie ist zwar noch nicht vorbei, doch die Wirtschaft wächst allenthalben wieder. Das macht sich auch in der Entwicklung der Treibhausgasemissionen bemerkbar. Denn diese ziehen wieder an. Wie aus einer Berechnung von Agora Energiewende hervorgeht, werden diese im laufenden Jahr in Deutschland voraussichtlich um rund 47 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente zulegen. Das wäre der größte Anstieg seit 1990. Aus diesem Grund werde Deutschland auch, trotz anderslautender Verlautbarungen im letzten Jahr, sein Reduktionsziel reißen: Dieses wird im Vergleich zum Basisjahr 1990 lediglich 37 Prozent betragen.
Wie Agora-Direktor Patrick Graichen betont, stelle der „vermeintliche Erfolg von 40 Prozent Emissionsminderung“ im letzten Jahr kein Ergebnis wirksamen Klimaschutzes dar, „sondern eine Eintagsfliege, bedingt durch Corona und Sondereffekte“.
Mit ein Grund für den deutlichen Anstieg der Emissionen ist auch die bislang für die Erzeugung erneuerbarer Energien eher ungünstige Witterung. So ging die Erzeugung durch Windkraft an Land in den ersten sechs Monaten um 20 Prozent zurück. Dieser Trend setzt sich zudem anscheinend fort: Nach Angaben der Bundesnetzagentur lag die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien im Juli wetterbedingt 6,7 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreswert. Um diese „Lücke“ auszugleichen, seien bislang konventionelle Kraftwerke häufiger zum Zug gekommen. Nach Angaben von RWE produzierte das Unternehmen im ersten Halbjahr fast 50 Prozent mehr Braunkohlestrom als im ersten Halbjahr 2020.
Diese Prognose von Agora Energiewende ist eher ungünstig für die erst kürzlich beschlossenen zusätzlichen Anstrengungen für den Klimaschutz. Im neuen Klimaschutzgesetz wurde das Ziel verankert, bis 2045 treibhausgasneutral zu werden. Auf dem Weg dorthin sollen die Emissionen bis 2030 um 65 Prozent sinken, bis zum Jahr 2040 soll ein Rückgang um 88 Prozent erreicht sein.
Im vergangenen Jahr lag der Gesamtausstoß an Treibhausgasen mit rund 739 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente um 40,8 Prozent unter denen des Basisjahres 1990. Deutschland hatte damit 2020 das Klimaziel eines Rückgangs um 40 Prozent erreicht. Dies stellt sich nun in der Tat als bloße Momentaufnahme dar.