Die deutsche Energiewende hakt aktuell an vielen Ecken und Enden. Besonders gut sieht man das beim Zubau neuer Erzeugungskapazität. Vor allem im Bereich der Offshore-Windkraft kommt hier aktuell kaum noch viel voran. Es herrscht Stillstand in der deutschen Nord- und Ostsee!
Cuxhaven ist eine wichtige Etappe auf dem Weg zum Produktionsstart für Meereswindparks. Hier warten die Windturbinen meist auf die Schiffe, die sie zur Montage auf See bringen sollen. Doch wenn hier aktuell Windturbinen warten, sind diese eher für den Export vorgesehen als für ein deutsches Windparkprojekt. Das letzte Projekt in der deutschen Bucht etwa hat der führende deutsche Windkraftkonzern Siemens Gamesa bereits vor zwei Jahren abgeschlossen. Der Stillstand ist auch Folge einer politischen Weichenstellung: 2014 hatte die Bundesregierung die Ausbauziele von Offshore-Windkraft heruntergefahren. Der Grund: Sorgen vor steigenden Strompreisen durch den teureren Netzanschluss und damit zusammenhängende Akzeptanzprobleme bei den Bürger:innen.
Selbst die in Bezug auf die Energiewende eher unmotiviert agierende, bald scheidende Bundesregierung hat gemerkt, dass das ein Fehler war: Die Ausbauziele wurden deutlich angehoben: In der laufenden Dekade sollen 20 Gigawatt, bis 2040 dann 40 Gigawatt kumulierter Leistung vor den deutschen Küsten installiert sein. Aktuell sind etwa 1.500 Windräder mit einer Leistung von knapp acht Gigawatt installiert.
Die uneindeutige Haltung der Bundesregierung, die sich letztlich in mangelnder Rückendeckung für die Branche spiegelt, hat durchaus handfeste Konsequenzen: Allein in Bremerhaven sind nach Angaben des Branchenverbandes WAB 3.500 Arbeitsplätze bei Offshore-Zulieferern verloren gegangen, was zugleich ein Verlust an Know-how bedeute. Von 2011 bis 2018 sank die Gesamtzahl der im Umfeld der erneuerbaren Energien Beschäftigten von 416.000 auf 304.000 – ein Minus von 26,9 Prozent! Die Zahl der Beschäftigten in der Windindustrie sank von mehr als 130.000 auf 121.700 (minus 7,3 Prozent). Noch härter traf es die Solarenergie, wo zu Spitzenzeiten 2011 156.700 Menschen arbeiteten. Diese Zahl sank bis 2018 auf 46.300 (minus 70,5 Prozent), um 2019 wieder leicht auf 51.700 Beschäftigte zuzulegen (+11,7 Prozent).