Ist Erdgas tatsächlich nur eine Art Lückenfüller für die Zeit, bis erneuerbare Energien die Energieerzeugung vollkommen dominieren? Die Unternehmensberatung KPMG erteilt dieser Ansicht eine klare Absage. In der Studie „Zukunft Erdgas – Auslaufmodell oder Herzstück der Energieversorgung in Deutschland?“ geht selbst das grünste Szenario davon aus, dass 2050 noch 300 Milliarden Kilowattstunden Energie aus Erdgas stammen werden. Das wären immerhin noch mehr als ein Drittel des Erdgasbedarfs im Studien-Basisjahr 2019!
Das in Bezug auf die Energiewende optimistischste Szenario „Grünstrom“ sieht Erdgas als Brückentechnologie während des weiteren Ausbaus der regenerativen Erzeugungskapazitäten. Dies führe bis 2035 zu einer leichten Abnahme des Bedarfs auf dann etwa 700 Milliarden Kilowattstunden. Wenn der Primärenergieverbrauch in diesem Modell 2050 auf dem halben Wert von 2019 angelangt und durch Ökostrom getragen ist, ist Erdgas nur noch mit den erwähnten 300 Milliarden Kilowattstunden am Energiebedarf vertreten.
Anders sieht es aus, wenn Wasserstoff sich wie vielfach erhofft zum „Next Big Thing“ entwickelt. In diesem Szenario wird 2035 der Gipfel für Erdgas in der zukünftigen Energieversorgung erreicht. Mehr als eine Billion Kilowattstunden betrage dann der Anteil am deutschen Energiebedarf. Dies sei besonders dann der Fall, wenn der für die Produktion grünen Wasserstoffs nötige Ökostrom noch nicht ausreichend bereitstehe. Dann kommt Erdgas bei der Pyrolyse oder Dampfreformierung mit CO2-Abscheidung zum Einsatz. Bis 2050 sinkt dann allerdings durch den technischen Fortschritt der Bedarf auf 500 Milliarden Kilowattstunden.
Das Fazit von KPMG: Erdgas werde kurz- und mittelfristig den Wegfall des Atomstroms sowie der Kohleverstromung kompensieren können. Langfristig bleibe Erdgas ein wichtiger Faktor, weil es für die weniger klimaschädliche Produktion von Wasserstoff gebraucht werde.
Auch für die Stadtwerkewelt hält die Studie Empfehlungen bereit: Diese müsste stärker auf Energiedienstleistungen setzen und ganzheitlich in Ökosystemen denken; möglichen Unsicherheiten im Markt könnten die Stadtwerke dann mit mehr Kompetenzen bei diesen Themen begegnen. Da ein hoher Investitionsbedarf bei Entwicklung und Vertrieb innovativer Energielösungen sowie beim Aufbau neuer Geschäftsfelder bestehe, müssten Stadtwerke in jedem Fall langfristig die Kooperation mit Partnern prüfen.