Erdgas: Weiterer Versorger stellt Lieferungen ein

vom 09.12.2021

Die Gaspreise steigen weiter: Gestern Nachmittag kostete die Megawattstunde bei kurzfristigen Lieferverträgen (day ahead) im deutschen Marktgebiet (THE) für Januar 2022 101,90 Euro. Zu Jahresbeginn (04. Januar 2021) lag der Gaspreis noch bei 19,32 (NCG) bzw. 19,52 (GP) Euro je Megawattstunde. 

Das bringt so manchen Versorger in arge Bedrängnis, sollten die Beschaffungsabteilungen zu hoch gepokert und wenig langfristig beschafft haben. Mit der in Köln ansässigen Rheinischen Elektrizitäts- und Versorgungsgesellschaft hatte ein erster, größerer Gasversorger die Konsequenz gezogen und Erdgaslieferverträge mit eigenen Kundinnen und Kunden gekündigt. Mittlerweile haben zudem mindestens fünf Strom- und Gasversorger sogar ein Insolvenzverfahren eröffnet: Otima Energie, Smiling Green Energy, Lition Energie, Fulminant Energie und zuletzt die Dreischtrom GmbH. Aufmerksamkeit zog auch die Ziegler GmbH & Co. KG aus dem baden-württembergischen Kappelrodeck auf sich: Das Unternehmen hatte aufgrund der Preissteigerungen beim Energieeinkauf nicht nur den Stromvertrieb zum Ende des Jahres eingestellt, der Grundversorger gab zugleich unter Berufung auf § 36 Abs. 1 Satz 3 EnWG seine Grundversorger-Einstufung auf. Dort heißt es: „Die Pflicht zur Grundversorgung besteht nicht, wenn die Versorgung für das Energieversorgungsunternehmen aus wirtschaftlichen Gründen nicht zumutbar ist.“

Nun gibt auch Gas.de auf. Wie das Unternehmen schreibt, liege das an „der historisch einmaligen Preisentwicklung im Erdgasmarkt“. Dadurch sehe sich das Unternehmen „zu unserem ausdrücklichen Bedauern gezwungen, alle Erdgaslieferverträge mit Ablauf des 02.12.2021 zu beenden“. Man sei „seit einigen Wochen mit einer nie dagewesenen Preisexplosion an den europäischen Energiehandelsplätzen konfrontiert“, zuletzt habe sich der Gaspreis „für Lieferungen in der kommenden Winterzeit auf den Beschaffungsmärkten in der Spitze um mehr als 400% im Vergleich zum Vorjahr erhöht“.

Noch ist nicht ganz klar, wie umfangreich diese Liefereinstelung genau ist. Laut einem Bericht des Handelsblattes habe der Marktgebietsbetreiber Trading Hub Europe (THE) bestätigt, dass die „Bilanzkreisverträge mit Gas.de […] gekündigt [wurden].“ Laut focus.de, das den Energierechtsexperten Holger Schneidewindt zitiert, sei noch nicht klar, ob die Kündigung der Lieferverträge „nur die Gebiete betrifft, für die Gas.de die Bilanzkreisverträge gekündigt wurden, oder ob es eine flächendeckende Versorgungseinstellung ist, bei der Gas.de selbst seinen Kunden die Lieferung kündigt. Das wäre noch mal eine andere Hausnummer.“

Die Gassparbemühungen lassen nach