Der Anschluss von Kraftwerken oder Anlagen zur Erzeugung von Energie an das Stromnetz ist nicht immer ganz einfach. In besonderem Maße gilt das in Deutschland für die zahlreichen Offshore-Windkraftanlagen in Nord- und Ostsee. Für die damit verbundenen wirtschaftlichen Risiken hat der Gesetzgeber mit der Offshore-Netzumlage ein Instrument geschaffen, dass diese Kosten auf die Allgemeinheit umlegt. Trotzdem ist es natürlich angebracht Möglichkeiten zu erproben, wie dieser auch technisch aufwendige Netzanschluss einfacher gestaltet werden kann.
Siemens Gamesa, die Windenergiesparte von Siemens, hat sich genau dafür mit dem niederländischen Rohrhersteller Strohm zusammengetan. Das Ziel der gemeinsamen Bemühungen: Konzepte zur Produktion von Wasserstoff auf hoher See und die Weiterleitung des wertvollen Energieträgers an Land zu entwickeln. Wie beide Unternehmen in einer gemeinsamen Mitteilung schrieben, hätten die Partner dazu eine Absichtserklärung unterzeichnet. Das Memorandum of Understanding umfasst hauptsächlich Transportlösungen für offshore erzeugten Wasserstoff.
Nach Ansicht der beiden Unternehmen ist die Anbindung von Wasserstoff-Produktionsanlagen per Rohrleitung preiswerter als die Stromnetz-Anbindung von Windparks über Unterwasser-Stromkabel. Insbesondere die Niederländer punkten hier mit Know-how: Die von Strohm hergestellten thermoplastischen Verbundrohre (thermoplastic composite pipe, TCP) sind korrosionsbeständig und anders als Stahlrohre nicht anfällig für Versprödung, die durch den Kontakt mit Wasserstoff auftreten kann. Zwei weitere Pluspunkte: TCP sind als wartungsfrei bekannt und sehr haltbar.
Siemens bringt in die Partnerschaft seine Erfahrung im Bereich des Baus von Offshore-Windparks ein: Man entwickle bereits Lösungen, um Elektrolyseure, die für die Wasserstoffproduktion nötig sind, vollständig in eine Windkraftanlage zu integrieren. Das könne nicht nur Investitionssummen senken, sondern sich auch positiv auf die Systemeffizienz und die absoluten Betriebszeiten der Windparks auswirken. Laut dem Innovationsmanager Power to X bei Siemens Gamesa, Finn Daugaard Madsen, verspreche man sich viel von der neuen Partnerschaft. Siemens Gamesa arbeite „seit einigen Jahren an dem dezentralen Konzept. Strohm hat uns durch mehrere Fallstudien unterstützt und Lösungen gezeigt, die leicht umzusetzen sind und unsere eigenen Systeme ergänzen.“