Das Bundesverkehrsministerium hat für den Bereich Mobilität eine deutliche Prämissenverschiebung vorgenommen: Bundesverkehrsminister Volker Wissing räumt dem Einsatz synthetischer Kraftstoffe im Verkehr eine deutlich geringere Rolle ein als seine Vorgänger. Dem Fachdienst Tagesspiegel Background sagte der Minister, die verschiedenen Energieträger müssten dort eingesetzt werden, „wo sie am effizientesten sind. Das ist beim Pkw der E-Antrieb“. Wenn man sich die EU-Regulierung anschaue, sehe man, „dass die Entscheidung für die E-Mobilität längst gefallen ist.“
Synthetische Kraftstoffe werde man vor allem für den Flugverkehr brauchen. „Auf absehbare Zeit werden wir aber nicht genug E-Fuels haben, um die jetzt zugelassenen Pkw mit Verbrennungsmotor damit zu betreiben“.
Der Minister erntete für diese Positionierung Zustimmung, aber auch viel Kritik. Letztere kam vor allem aus den Reihen der Autoverbände und von Seiten der CDU. Der ADAC hält E-Fuels für elementar, um Klimaschutzziele zu erreichen. Technikpräsident Karsten Schulze sagte der Deutschen Presse-Agentur, trotz eines ambitionierten Hochlaufs der Elektromobilität würden 2030 noch mindestens 30 Millionen Bestandsfahrzeuge mit Diesel- oder Ottomotor in Deutschland unterwegs sein. „Ohne E-Fuels werden diese nicht CO2-reduziert genutzt und perspektivisch klimaneutral betrieben werden können.“
Die Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie, Hildegard Müller, verwies in den Zeitungen der Funke Mediengruppe auf das Diktum von der Technologieoffenheit, dem sich die FDP doch verpflichtet fühle. Europa und Deutschland dürften keine Technologie ausschließen, „die weltweit gebraucht wird, um die Klimaziele im Straßenverkehr zu erreichen.“ Der Bundesverkehrsminister müsse einhalten, was er und seine Partei im Wahlkampf versprochen hätten. „Selbstverständlich brauchen wir E-Fuels aus erneuerbaren Energien auch für den Straßenverkehr. Ohne E-Fuels können die Fahrzeuge, die schon im Betrieb sind, keinen Beitrag zum Klimaschutz leisten.“
Der verkehrspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Thomas Bareiß, kritisierten den „Kurswechsel“ des Bundesverkehrsministers und der FDP, die sich von alternativen Kraftstoffen verabschiedeten. Dies sei ein klarer Wortbruch. „Von der immer viel gepriesenen Technologieoffenheit im Bereich der Mobilität ist damit nicht mehr viel übrig. Das schadet dem Automobilstandort Deutschland, und das schadet dem Klimaschutz, denn auch die Bestandsflotte braucht eine CO2-freundliche Zukunft, sonst ist das hohe Klimaziel nicht zu schaffen.“ Fraktionsvize Ulrich Lange sekundierte: „Durch die pauschale Entscheidung der Ampel für das Elektroauto kann das Millionen Autobesitzern noch schmerzhaft auf die Füße fallen.“