Der Klimawandel wird immer deutlicher sichtbar und für immer mehr Menschen auch direkt spürbar. Darauf weist der Weltklimarat in seinem neuesten Sachstandbericht hin. Hoffnung bleibt der Menschheit indes: Denn mit Anpassungen sei das Schlimmste noch abzuwenden. Allerdings seien tiefgreifende Veränderungen nötig.
Gut die Hälfte der Menschheit, 3,3 bis 3,6 Milliarden Menschen, sei schon jetzt „hochgradig gefährdet“ durch die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels. Dieses Risiko werde durch sozial-ökonomische Ungleichheit sowie nicht nachhaltige Nutzung von Land und Meeren weiter erhöht. Der Klimawandel führe bereits jetzt zu gefährlichen Veränderungen der Natur. Laut der IPCC-Arbeitsgruppe, so zu hören bei der Vorstellung des Berichts, träten die Auswirkungen, „die wir heute sehen, […] viel schneller auf und sind zerstörerischer und weitreichender als vor 20 Jahren erwartet“.
Das führe zu mehr Armut und Ungleichheit und werde mehr Menschen, die keine wirtschaftliche Perspektive vor Ort sähen, zum Ausweichen zwingen. Und selbst wenn die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad gelingt, müssen die Menschen und Staaten schon in den nächsten 20 Jahren erhebliche Auswirkungen verkraften. Die Regierungen täten noch lange nicht genug, um die schlimmsten Gefahren abzuwenden.
Wie der Ko-Vorsitzende der Arbeitsgruppe, der deutsche Meeresbiologe Hans-Otto Pörtner, sagte, gebe es „ein schrumpfendes Zeitfenster“. Die Klimapolitik der Bundesregierung bewertet Pörtner dabei eher mittelprächtig: „Für die Ambitionen kriegt sie eine Drei und für die Umsetzung eine Vier minus bisher“.
Um die Folgen abzumildern, seien fundamentale gesellschaftliche Veränderungen nötig. Die Energie müsse sauber, die Wegwerfmentalität beseitigt werden. Städte und Landwirtschaft müssten nachhaltig und die Mobilität verändert werden: mehr Rad- statt Autofahren, mehr Zugfahren statt Fliegen. Laut der Klimaforscherin und Sachstandsberichts-Mitautorin Daniela Schmidt sei es nun wichtig, die gesamte Bevölkerung mitzunehmen. „Wenn wir wunderbare grüne Städte haben, können sich Leute, die da jetzt leben, das vielleicht dann nicht mehr leisten.“