THG-Emissionen: Corona-Einbruch ausgeglichen

vom 15.03.2022

Die Emissionen von Treibhausgasen sind während der verschiedenen Lockdowns im Zuge der Corona-Pandemie deutlich gesunken. Das war aber offenbar in der Tat nur ein kurzfristiger Effekt. Denn schon für 2021 ist ein deutliches Plus bei den Emissionen zu verzeichnen. Wie das Umweltbundesamt (UBA) mitteilte, wurden in Deutschland im vergangenen Jahr rund 762 Millionen Tonnen Treibhausgase emittiert. Das waren 4,5 Prozent mehr als 2020. Dieser Anstieg geht vor allem (zu mehr als vier Fünftel) auf höhere Emissionen des Energiesektors zurück. Das lag an einer anziehenden Nachfrage bei gleichzeitig gesunkener Erzeugung aus erneuerbaren Energien und steigenden Gaspreisen, was zu vermehrter Verstromung von Kohle führte.

Insgesamt sanken die THG-Emissionen Deutschlands bezogen auf das Basisjahr 1990 damit um 38,7 Prozent – womit die Zielmarke von 40 Prozent bis 2020 bereits ein Jahr später doch noch gerissen wurde. Die Zahlen sind zwar noch vorläufig, aber wird sich auch das endgültige Zahlengebäude kaum wesentlich vom jetzigen Bild abheben.

Der Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, Dr. Patrick Graichen, konnte denn auch konstatieren, dass der Anstieg sich leider abgezeichnet habe. Das Rezept, um dem entgegenzuwirken, sei „ein wesentlich höheres Tempo beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Wir müssen es schaffen, dreimal so viele Kapazitäten wie bisher zu installieren, um den Anteil der Erneuerbaren an der Stromerzeugung bis 2030 auf 80 Prozent zu steigern.“ Auch ⁠UBA⁠-Präsident Dirk Messner fand deutliche Worte: „Die Reduzierung der Treibhausgasemissionen von 2020 ist fast zur Hälfte schon wieder verloren. Unsere Zahlen zeigen deutlich, dass die Ziele der Bundesregierung schnellstens angegangen werden müssen. Wir müssen schnell mehr Sonnen- und Windenergieanlagen bauen. Unsere Gebäude müssen wir auf Wärmepumpen umstellen und so schnell wie möglich aufhören Öl- und Gasheizungen einzubauen. Bei unseren Häusern können wir auch mit Energiesparen noch einiges erreichen, vor allem indem wir sie besser energetisch sanieren. Das hilft auch gegen unsere Energieabhängigkeit von Russland. Hier kann jede und jeder einzelne etwas tun, was auch dem Klima hilft: Etwas weniger heizen, das Auto öfter mal stehen lassen oder, wenn es doch notwendig ist, langsamer fahren.“ Das Ziel Deutschlands, bis 2045 praktisch THG-neutral zu werden, ist also noch weit entfernt.

Diese deutsche Entwicklung lässt sich auch weltweit beobachten. Wie eine Analyse der Internationalen Energieagentur (IEA) zeigt, wurde im vergangenen Jahr weltweit durch die Energieerzeugung so viel CO2 emittiert wie noch nie zuvor. Als Folge stiegen die THG-Emissionen auf 36,3 Milliarden Tonnen – ein Plus von sechs Prozent! Vor dem Corona-Einbruch lagen die Gesamtemissionen bei 36,1 Milliarden Tonnen.

Laut IEA habe sich das erneute Wachstum der Weltwirtschaft nach der Corona-Krise stark auf Kohle gestützt. Außerdem führten ungünstige Wetterlagen und hohe Erdgaspreise dazu, dass mehr Kohle verbrannt wurde, obwohl es parallel dennoch ein Rekordwachstum bei der regenerativen  Stromerzeugung gab. Letztere erreichte mit über 8.000 Terawattstunden (plus 6,7 Prozent) ein Allzeithoch.

 

Die deutsche Industrie könnte eine Menge Energie sparen