Erdgas bald aus deutscher Förderung?

vom 07.04.2022

Deutschland ist nicht gerade überreich mit mineralischen und fossilen Rohstoffen gesegnet – oder vorhandene Lagerstätten wurden bereits vor Jahrhunderten ausgebeutet. Das gilt auch für das in heimischen Böden lagernde Erdöl und Erdgas. Die förderfähigen Reserven werden insgesamt auf 42,3 Milliarden Kubikmeter beziffert. 99 Prozent davon liegen unter Niedersachsen oder in dessen Hoheitsgewässern.

Im Rahmen der angestrebten Diversifizierung des Erdgasbezuges geraten auch diese kleinen Mengen wieder in den Fokus: Der niedersächsische Wirtschaftsminister Bernd Althusmann jedenfalls kündigte an, die Förderung deutlich zu beschleunigen. Der Wirtschaftswoche sagte der Minister, dafür müssten auch bislang geltende Beschlüsse erneut geprüft werden. So gebe es zwar einen einstimmigen Beschluss des niedersächsischen Landtages von 2021, das in der Nordsee zwischen Deutschland und den Niederlanden liegende Gasfeld N05-A nicht zu erschließen. Dieser Beschluss sei aber nun „nicht mehr zu halten“. Damals hätte sich der Landtag „unter völlig anderen geopolitischen Rahmenbedingungen […] gegen eine Förderung aus dem Gasfeld entschieden“. Die Landesregierung werde nun aber eine Genehmigung zur Förderung aussprechen, sofern die bundesrechtlich vorgeschriebenen Anforderungen erfüllt seien.

Hier sei auch der Koalitionsvertrag von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP, demzufolge keine Erdgasvorkommen in Deutschland neu erschlossen werden dürfen, „seit dem 24. Februar, dem Beginn des Krieges, Makulatur. Wir brauchen eine Neubewertung der Versorgungssicherheit Deutschlands.“ 

Die Position des niedersächsischen CDU-Ministers wird man sicher auch sehr aufmerksam im Süden Deutschlands gelesen haben. Wie so oft geht dortselbst der bayerische Ministerpräsident Markus Söder noch einen großen Schritt weiter: Denn er will Erdgas bundesweit auch mittels des verpönten Fracking fördern. Es gehe darum, sich unabhängig zu machen von russischen fossilen Brennstoffen. Dazu gelte es nun auch „zu prüfen, welche eigenen Möglichkeiten bestehen“.

Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet, sagte der bayerische Ministerpräsident, es gehe nicht darum, „zu sagen, wir machen das jetzt morgen“. Es gehe darum, alle Optionen zu ziehen, alle Karten auf den Tisch zu legen und Ideologie „über Bord zu schmeißen“. Dazu gehöre das Weiterlaufenlassen der Atomkraftwerke, dazu gehöre aber auch, mögliche Potenziale beim Fracking zu untersuchen.

Diese Idee ist immerhin nicht so abwegig wie es zunächst erscheint. Immerhin schätzt die Deutsche Rohstoffagentur die so förderbaren deutschen Erdgasreserven auf 827 Milliarden Kubikmeter. Das würde ausreichen, um fast 15 Jahre die russischen Importe komplett zu ersetzen. Noch 2001 trug die heimische Förderung von Erdgas einen Anteil von 21 Prozent des deutschen Gesamtverbrauchs. Dieser sank bis 2021 auf 5,2 Prozent. Eine erneute Erhöhung auf einen Anteil von knapp zehn Prozent halten Experten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe „mit großen Anstrengungen“ durchaus für möglich.