Erdgas: Russland erhöht Druck auf Europa

vom 28.04.2022

Russland erhöht den Druck auf seine europäischen Gaskunden. Als erste traf es Polen und Bulgarien. Seit gestern fließt kein Gas mehr aus Russland in beide Länder. Vom russischen Staatskonzern Gazprom heißt es dazu, man habe die Lieferungen mit sofortiger Wirkung eingestellt, weil die beiden EU-Staaten ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen seien. Die Gasmärkte reagierten prompt: Am niederländischen Handelsplatz TTF sprang der Gaspreis um fast 20 Prozent. Damit ist Erdgas mittlerweile fast siebenmal so teuer wie noch im April 2021.

Die beiden Staaten bleiben indes nicht die einzigen: Die russische Gazprom-Bank hat Zahlungen für Gaslieferungen nach Deutschland zurückgewiesen. Geleistet hatte die eine Tochter der inzwischen verstaatlichten Gazprom Germania.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz bestätigte die zurückgewiesenen Zahlungen. Es bestünden „Unklarheiten bei der Abwicklung der Zahlungen“. Diese beträfen „marginale Gasmengen“ von etwa 0,2 Prozent der russischen Importmengen nach Europa. Man könne diese Menge über Ankäufe am Markt ersetzen. Die Versorgungssicherheit in Deutschland sei gewährleistet, die Zahlungen sollen „vertragsgemäß in Euro“ erfolgen.

Die zurückgewiesenen Zahlungen sind ein weiterer Eskalationsschritt im Konflikt zwischen der Europäischen Union und Russland um russische Erdgaslieferungen. Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete den Lieferstopp auf Twitter als „weiteren Versuch Russlands, uns mit Gas zu erpressen“. Die EU sei jedoch auf dieses Szenario vorbereitet und plane eine „koordinierte Reaktion“.