Gas-Krise: Wie Deutschland durch den Winter kommt

vom 22.08.2022

Der Winter steht uns allen noch bevor und eine große Unbekannte dabei ist, wie viel Erdgas wir dann zum Heizen benötigen. Vom Forschungsprojekt „ECONtribute“ gibt es dazu nun eine gute Nachricht: Grund zur Panik bestehe nicht, denn Deutschland werde den Winter auch komplett ohne russische Gaslieferungen überstehen. Allerdings, so räumt Professor Moritz Kuhn vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Universität Bonn ein, gelingt das nur, „wenn wir jetzt entsprechend handeln“.

Bei „ECONtribute“ handelt es sich um ein gemeinsames Projekt der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und der Universität zu Köln.

Damit die Wirtschaft einen möglichen kompletten russischen Gas-Exportstopp bewältigen könne, müsse die Politik mit den richtigen Maßnahmen unterstützen. „Es drohen im Fall eines Stopps russischer Gasimporte weder Massenarmut noch Volksaufstände, sondern Produktionseinbußen, die Deutschland schon in der Vergangenheit bewältigt hat, wenn es sich Krisen stellen musste“. Damit das funktioniere, müsse Deutschland seinen Gasverbrauch in der kommenden Heizperiode um etwa ein Viertel reduzieren.

Eine Schlüsselrolle kommt hierbei den privaten Haushalten zu. Der Grund: Heizenergie macht den Großteil des Gasverbrauchs in den Wintermonaten aus. Sparanstrengungen wirkten hier deshalb besonders gut. „Ein realistischerweise erreichbarer Einsparbeitrag der Haushalte und des Gewerbes liegt bei rund 15 Prozent des eigenen Verbrauchs“. Beim Heizen entspricht dies etwa einer Absenkung der Raumtemperatur um bis zu 2,5 Grad Celsius.

Aktuell setze die Politik zu stark auf Sparappelle. Sie lasse zu wenig Preismechanismen wirken. Notwendig seien wirtschaftspolitische Maßnahmen, die direkte wirtschaftliche Anreize zum Gassparen schaffen. Die Forscher schlagen etwa eine Gutschrift vor, die alle Gasverbraucher:innen entlastet, aber gleichzeitig durch hohe Gaspreise den Anreiz zum Sparen schafft.

Aber auch das Gewerbe müsse zum Einsparen von Heizenergie beitragen, etwa durch Homeoffice oder veränderte Ladenöffnungszeiten. „Gas war in den vergangenen Jahren so günstig für uns, dass sich eine gewisse Bequemlichkeit entwickelt hat und wir jetzt den Verbrauchern Anreize und Informationen bieten müssen, damit sie verstehen, wie teuer Gas geworden ist und schnell darüber nachdenken, wie und wie viel sie heizen“.