Forscherinnen und Forscher des Global Carbon Projects haben am Rande der Weltklimakonferenz (COP27) in Scharm el-Scheich die Ergebnisse einer Studie präsentiert. Laut dieser wird der Ausstoß von Kohlendioxid voraussichtlich um ein Prozent im Vergleich zu 2021 zunehmen. Insgesamt werden damit im laufenden Jahr weltweit wohl 36,6 Milliarden Tonnen CO2 emittiert. Dies sei „ein bisschen mehr als das Niveau von 2019“, sprich von vor der Corona-Pandemie. Der Anstieg sei im Wesentlichen auf die Nutzung von Erdöl zurückzuführen, die 2022 nach den derzeit verfügbaren Daten um 2,2 Prozent zugenommen habe.
Laut der Co-Autorin der Studie, Corinne Le Quéré, hat sich die Zunahme der CO2-Emissionen aus fossilen Energieträgern zwar verlangsamt. In der ersten Dekade des Jahrhunderts hätten die Emissionen noch um rund drei Prozent pro Jahr zugenommen; im vergangenen Jahrzehnt seien es dann „nur“ rund 0,5 Prozent jährlich gewesen. Das zeige, dass Klimapolitik funktioniere. Aber nur eine konzertierte Aktion in der Größenordnung derjenigen gegen Covid könne die Kurve wirklich abflachen.
Die Studie wurde anlässlich der UN-Klimakonferenz im Fachblatt „Earth Systems Science Data“ veröffentlicht. Zum Global Carbon Project gehören mehr als 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von rund 80 Forschungseinrichtungen. Sie berechnen jedes Jahr die CO2-Emissionen sowie das CO2-Budget, die der Menschheit für eine Begrenzung der Erderwärmung noch verbleiben.
Unter den größten CO2-Emittenten war der Studie zufolge bei Indien der Zuwachs der Emissionen mit sechs Prozent am größten. In der EU sanken sie dagegen um 0,8 Prozent. Hauptgrund für letzteres dürfte ein geringer CO2-Ausstoß aus der Erdgasnutzung sein, dieser ging um zehn Prozent zurück. Allerdings stiegen demgegenüber die Emissionen aus der Kohlenutzung um 6,7 Prozent, die aus Erdöl um 0,9 Prozent. Deutschland war vergangenes Jahr mit 675 Millionen Tonnen CO2 der achtgrösste Emittent der Welt.
An der globalen Zunahme der CO2-Emissionen um ein Prozent lasse sich zwar keine klare Tendenz ablesen. Aber die Emissionen „gehen nicht so zurück, wie sie sollten“.