Mit dem Vor-Anker-Gehen der Floating Storage and Regasification Unit (FSRU) „Höegh Gannet“ ist nun auch das dritte deutsche LNG-Terminal Brunsbüttel einsatzbereit. Damit geht das Terminal, ähnlich wie die beiden etwas früher fertiggestellten Terminals in Wilhelmshaven und Lubmin, nach nur rund acht Monaten Planung und Bau in Betrieb. Betreiber RWE hob besonders die Rolle der Genehmigungsbehörden hervor, die sehr schnell und effektiv gearbeitet hätten.
Nach wie vor gibt es jedoch Kritik an der Dimensionierung des Terminals sowie an dessen Umweltauswirkungen. BNetzA-Präsident Klaus Müller versicherte denn auch prompt: „Wir brauchen die geplanten LNG-Terminals, um uns weiter unabhängig von russischem Gas zu machen. Deshalb hat die Bundesnetzagentur den Ausbau in den letzten Monaten mit allen Kräften unterstützt.“ Es sei nun nötig, im Sommer die Speicher für den Winter 2023/24 aufzufüllen. Das sei aber ohne LNG nur schwer möglich. Zudem sei zu bedenken, dass Deutschland für die Nachbarn ohne Küstenanbindung eine Gas-Transitfunktion erfülle.
Der Terminal in Brundbüttel erfüllt für RWE eine wichtige Aufgabe. Hier soll auch ein Import-Terminal für grünen Ammoniak entstehen, der als verflüssigtes Wasserstoffderivat einen wichtigen Beitrag zur Versorgung Deutschlands mit grünem Wasserstoff leisten soll. Ab 2026 sollen so jährlich rund 300.000 Tonnen grüner Ammoniak importiert und an Kunden weiterverteilt werden.
Gewichtiger dürften indes die weiter bestehenden Umweltbedenken gegen das in Brunsbüttel stationierte FSRU sein. Kritiker verweisen darauf, dass keine andere Nation außer Deutschland das Schiff haben wollte. Der Grund: Für den Betrieb muss der Bewuchs mit Muscheln und Seepocken verhindert werden. Dafür werden Chlorverbindungen genutzt. Beim Schwesterterminal in Wilhelmshaven hat dessen Betreiber Uniper eine wasserrechtliche Erlaubnis beantragt, um für einen unbegrenzten Zeitraum bis zu 35,6 Tonnen Chlor im Jahr in die Innenjade einleiten zu dürfen. RWE versicherte indes, dass bei Reinigungsprozessen kein Chlor in die Elbe eingeleitet werden soll. „Sollte eine Reinigung der Wärmetauscher erforderlich sein, erfolgt diese durch ein einfaches Rückspülverfahren mit Elbewasser, das den Wärmetauscher wieder freispült.“