Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), sorgt sich darum, dass die immer noch laufende Energiekrise zu schnell als entspannt angesehen werde. Vor allem die europäischen Regierungen spricht er mit seinen Befürchtungen an. Denn seiner Meinung nach seien viele Regierungen „ein bisschen zu froh“ über den bislang relativ milden Verlauf der Versorgungskrise. Birol warnt die Europäer nun davor, die Versorgungskrise angesichts der aktuell fallenden Gaspreise zu schnell zu den Akten zu legen.
Dem „Handelsblatt“ sagte Birol, der nächste Winter bereite ihm Sorgen. „Kein russisches Gas, Chinas Comeback als Importeur, wenig Angebotszuwachs: Diese drei Faktoren machen den nächsten Winter zur Herausforderung.“ Europa müsse den Gasverbrauch weiter senken.
Vor dem Hintergrund der angespannten Lage kritisierte der IEA-Direktor auch erneut den deutschen Atomausstieg: „Ich wünschte, es gäbe die Möglichkeit, die Laufzeiten bei Bedarf deutlich stärker zu verlängern.“ Lob gab es parallel jedoch für den belebten Verlauf der Energiewende. „Vor allem die Beschleunigung der Planungsverfahren zahlt sich aus.“