Effizienz: Industrie könnte 44 Prozent einsparen

vom 17.04.2023

Die deutsche Industrie hat hinsichtlich effizientem Energieverbrauch noch deutlich Luft nach oben. Laut der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff) könnte die deutsche Industrie 44 Prozent ihres Energiebedarfs einsparen. Dafür wären nicht einmal große Mühe oder extremer Technologieeinsatz nötig, sondern nur der Rückgriff auf „standardmäßig verfügbare[…] Effizienztechnologien“ – ohne dafür die Produktion zu drosseln.

Das Institut für Energietechnik und Energiemanagement der Hochschule Niederrhein hat das für die Deneff in der Kurzstudie Energieeffizienzmaßnahmen in der Industrie. Marktnahe und wirtschaftliche Energieeinsparpotentiale in der Industrie nachgerechnet. Demnach bestehe ein jährliches Energieeffizienzpotenzial von insgesamt 410 Milliarden Kilowattstunden. Das ist eine durchaus beachtliche Menge, denn wie Studienleitautor Professor Jörg Meyer ausführt, entsprächen „[d]iese 410 Terawattstunden […] in der Größenordnung etwa der Stromproduktion von acht großen Kern- oder Kohlekraftwerken plus der Kapazität von vier der sechs neuen LNG-Terminals“. Noch nicht eingerechnet seien in diese Menge „die großen Potenziale aus Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft“.

Den größten Effizienzgewinn versprächen die Bereiche Prozesswärme, Antriebstechnik und Raumwärme. Indes würden 60 Prozent der Energieeffizienzpotenziale meist links liegen gelassen, da diese Effizienzgewinne „zwar wirtschaftlich, aber nicht marktnah“ umsetzbar seien. Als „marktnah“ definiert die Studie Maßnahmen, die, obwohl sie eine sehr gute Rendite versprächen, sich gleichwohl nicht binnen dreier Jahre amortisieren. „Damit bleiben bislang immense Potenziale für klimafreundliches Wirtschaftswachstum, gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit und strategische Versorgungssicherheit voraussichtlich ungenutzt“. Immerhin geht es bei diesem nicht-marktnahen Potenzial um 248 Milliarden Kilowattstunden. Finanziell rentiert sich das ebenfalls: Laut Berechnungen der Studie besteht ein Sparvolumen von 25 Milliarden Euro im Jahr.

Letztlich gehe es auch um die Resilienz der deutschen Industrie. Um diese zu stärken und gleichzeitig die Klimaziele zu erhöhen, müssten die Unternehmen wo überhaupt möglich und wirtschaftlich darstellbar ihre Energieproduktivität deutlicher steigern als bislang. Auch die Politik spiele hierbei weiterhin eine wichtige Rolle: Förderinstrumente und Energieeffizienznetzwerke seien weiterhin wichtig, könnten „aber die große Lücke nicht vollständig adressieren“. Entsprechend groß sei der Bedarf an zusätzlicher politischer Initiative.

Die deutsche Industrie könnte eine Menge Energie sparen