Erdgas: Studie sieht drastischen Nachfrageeinbruch

vom 25.09.2023

Noch ist Erdgas eine der deutlich tragenden Säulen der deutschen Energieversorgung. Doch das könnte sich im kommenden Vierteljahrhundert deutlich ändern. Eine Studie von Deloitte und dem Öko-Institut sagt einen kräftigen Einbruch der Erdgas-Nachfrage in Deutschland bis 2050 voraus.

Bei der Studie „Natural gas demand outlook to 2050“ handelt es sich um eine datengestützte Analyse des deutschen Erdgasmarktes. Danach wird sich der Anteil von Erdgas an der Energieversorgung bis 2050 um 95 Prozent reduzieren. Dieser Rückgang wird vor allem getrieben vom Gebäudesektor, gefolgt von Energieerzeugung und Industrie.

Ursächlich für den Einbruch im Gebäudesektor werden demnach Energieeffizienzmaßnahmen und Technologien wie Wärmepumpen und thermische Nachrüstungen sein. Bereits bis 2030 könnte der Erdgasverbrauch so um ein Drittel auf dann weniger als 300 Terawattstunden sinken. Bis 2050 dann werde fast die Hälfte der Nutzwärme durch Wärmepumpen erzeugt.

Die Erzeugung von Strom aus Erdgas gerät vor allem durch den Ausbau erneuerbarer Energien unter Druck. In den kommenden 16 Jahren könnten nach und nach mehr als 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen – derzeit sind es 44 Prozent. Ab 2030 könnten dann auch erdgas-gespeiste Erzeugungsanlagen mit grünem Wasserstoff beschickt werden. So ließe sich der Anteil von Erdgas an der Nettostromerzeugung bis 2050 voraussichtlich auf weniger als ein Prozent senken.

In der Industrie sorgen immer mehr Maßnahmen zur Dekarbonisierung, insbesondere in den energieintensiven Eisen-/Stahl-, Zement- und Chemiewerken, für weniger Nachfrage. Erdgas wird hier allmählich durch strom- und wasserstoffbasierte Lösungen ersetzt. Laut der Studie werde die Wärmeerzeugung aus Erdgas in der Industrie bis 2050 auf null sinken.

Die Studien-Ergebnisse zeigen, dass Erdgas im deutschen, aber auch im Eu-weiten Energiesystem auf dem Weg zur Klimaneutralität an Bedeutung verliert. Die Nachfrage wird bis 2030 um mehr als ein Viertel in Deutschland und der EU im Vergleich zum Referenzjahr 2018 und bis 2050 um 80 Prozent (in Deutschland sogar 95 Prozent) sinken. Der schrittweise Ausstieg aus allen fossilen Energieträgern wird dabei unter anderem durch den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien, das Angebot aus dem grünen Wasserstoffmarkt sowie Effizienzmaßnahmen kompensiert.

Die Importe über deutsche LNG-Terminals sind auf einem Allzeithoch.