Der Ausbau der Windenergie in Deutschland lahmte zuletzt etwas. Kein Wunder, fasste doch Bundeskanzler Olaf Scholz zuletzt Mitte September in Düsseldorf zusammen, was nach dem Willen des Bundes nötig ist: „Was wir erreichen müssen: vier bis fünf Windräder und 43 Fußballfelder Photovoltaikanlagen wohlgemerkt pro Tag, dazu Speicher und Tausende Kilometer neue Leitungen.“
Offenbar hat der Sektor nun aber wieder Tritt gefasst. Das zeigen zumindest vorläufige Zahlen der Fachagentur Windenergie an Land. Denn die ersten drei Quartale sind durchaus besser gelaufen als der Vorjahreszeitraum: 518 neue Windenergieanlagen mit einer kumulierten Leistung von rund 2,4 Gigawattpeak gingen ans Netz – ein Zuwachs von mehr als 50 Prozent! Damit wurde zudem bereits Ende September der Wert des gesamten Zubaus von 2022 übertroffen.
Die Vorreiter finden sich dabei durchweg im Norden und Westen Deutschlands: Schleswig-Holstein führt mit über einem Drittel des Brutto-Zubaus, gefolgt von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Im Ranking abgeschlagen sind die beiden Südländer: Dort wurden lediglich sieben Prozent der diesjährigen Neuanlagenleistung installiert. In Bayern wurden sechs, in Baden-Württemberg 13 neue Windenergieanlagen ans Netz genommen.
Dem Zubau steht auch ein Abbau von Altanlagen gegenüber: Deutschlandweit sind 2023 bislang 316 Windräder vom Netz genommen worden.
Dagegen legte auch die Zahl neugenehmigter Windräder deutlich zu. Fast 1.000 neue Windenergieanlagen (exakt 976) wurden in den ersten drei Quartalen genehmigt. Ihre Gesamtleistung liegt bei 5,2 Gigawattpeak – ein Plus von 77 Prozent. Laut der Fachagentur Windenergie an Land sei von Januar bis September noch nie so viel Windenergieleistung genehmigt worden. Auch hier liegen Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein mit 1,1 Gigawattpeak vorne.