Gasmarkt: Weiterhin angespannt

vom 16.02.2024

Die akute Krisenlage am Gasmarkt scheint vorbei zu sein. Zumindest hat sich die Preislage hier nach den härtesten Ausschlägen infolge des Ukrainekrieges wieder normalisiert. Doch ist davon auszugehen, dass sich die Preissituation zumindest auf absehbare Zeit nicht noch weiter entspannen dürfte. Davon gehen zumindest der „LNG Outlook 2024“ des Energiekonzerns Shell sowie der LNG-Ausblick des Analysehauses Independent Commodity Intelligence Services (ICIS) aus. 

Wie das „Handelsblatt“ berichtet, geht etwa Shell davon aus, dass die weltweite Nachfrage nach Flüssiggas bis 2040 um mehr als 50 Prozent steigen wird – und damit etwa im gleichen Umfang wie das Angebot. Etwas pessimistischer ist der ICIS-Ausblick: Die Analysten der ICIS rechnen auch mit steigender Nachfrage, die aber von weniger stark steigenden Angeboten flankiert werde; damit sei eine Rückkehr der Gaspreise zum Vor-Covid-Niveau zumindest für 2024 nicht zu erwarten. 

Großer Treiber der LNG-Nachfrage wird Shell zufolge China sein. Für das laufende Jahr prognostiziert das Unternehmen einen weltweit Zuwachs in der Nachfrage nach LNG von zwischen sieben und 20 Millionen Tonnen. Laut dem Executive Vice President von Shell Energy, Steve Hill, werde China „in diesem Jahrzehnt wahrscheinlich das Wachstum der LNG-Nachfrage dominieren, da China versucht, die CO2-Emissionen im Industriesektor durch den Umstieg von Kohle auf Gas zu senken“. 

Für Europa ist dagegen eher mit einer nachlassenden LNG-Nachfrage zu rechnen. Denn schon 2023 lagen die europäischen LNG-Importe lediglich auf Vorjahresniveau. Das ist durchaus bemerkenswert, stammten doch 2022 noch wesentliche Teile der europäischen Gasversorgung aus Russland (via NordStream 1). 2023 mussten diese Importmengen dann durch LNG ersetzt werden; mithin hätten höhere Importmengen also auf der Hand gelegen. 

Langfristig zeigen Prognosen für Europa einen sinkenden Gasbedarf. Allerdings ist hier ein wichtiger Faktor, wie viele Gaskraftwerke in den kommenden Jahren tatsächlich gebaut werden. Denn Deutschland habe einen Bedarf an neuen Gaskraftwerken von mindestens 25, einigen Prognosen zufolge sogar 50 Gigawatt. 

Die ICIS-Analysten gehen davon aus, dass die LNG-Nachfrage global zwar um fünf Prozent auf 423 Millionen Tonnen wächst, das Angebot aber nur um etwa ein Prozent auf 416 Millionen Tonnen. Grund sei, dass nur eine geringe Zahl neuer Erdgas-Verflüssigungsprojekte fertig werden dürften und ältere Anlagen zudem einen Rückgang verzeichnen dürften.

Ab 2025 komme hingegen eine große Anzahl neuer Anlagen auf den Markt – zuerst aus den USA, Kanada und Mexiko, später auch aus Katar.