BMWK konkretisiert Kraftwerksstrategie

vom 22.02.2024

Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWK) hat zusätzliche Details zur Kraftwerksstrategie bekanntgegeben. Die Informationen stammen aus einem Schriftbericht an den Ausschuss für Klimaschutz und Energie. 

Danach soll es unter anderem eine technologieoffene Ausschreibung für Langzeitspeicher geben. An dieser sollen wasserstoffbasierte Stromspeicher, aber auch andere Speichertechnologien teilnehmen können. Zudem soll eine Ausschreibung an die Stelle der vor einiger Zeit schon angedachten H2-Hybridkraftwerke treten. Das BMWK plante seinerzeit mit einem Ausschreibungsvolumen von 4,4 Gigawatt Leistung für diesen Kraftwerkstyp. Hier sollten Wind- und PV-Anlagen mit wasserstoffbasierten Stromspeichern kombiniert werden. Das Ziel: Ein Test der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette. 

Bereits bekannt ist, dass mit der Kraftwerksstrategie ein Konzept für einen „marktlichen, technologieneutralen Kapazitätsmechanismus“ vorliegen soll, der spätestens 2028 wirksam werden soll. Bis dahin sollen über kurzfristige Ausschreibungen systemdienlich ausgelegte, grundsätzlich wasserstofffähige Gaskraftwerke mit einer Leistung von zehn Gigawatt entstehen.

Für den Bau soll eine Investitionskostenprämie gewährt werden, der Betrieb mit Erdgas läge dann allerdings komplett im Risiko der Betreiber. Sobald die Kraftwerke indes auf Wasserstoff umspringen, sieht die Bundesregierung einen Ausgleich der Differenzkosten zwischen Erdgas (inklusive Kosten für CO2-Emissionen) und Wasserstoff vor. Dies soll jedoch befristet bis höchstens 2040 erfolgen. Auch ist die Förderung des Wasserstoffbetriebs auf 800 Vollbenutzungsstunden pro Jahr begrenzt. 

Unberücksichtigt in der Kraftwerksstrategie bleibt der Komplex Kraft-Wärme-Kopplung. Doch ist die Branche durchaus zuversichtlich, für sich einen Platz in dem sich gerade abzeichnenden Konstrukt zu erhalten. Angesichts anvisierter 10 Gigawatt an Kraftwerksleistung sei noch Raum für KWK-Anlagen. Wie energate berichtete, hieß es dazu auf der E-world energy & water 2024, dies sei ein „vorsichtiges Zeichen“ der Politik in Richtung Novelle und Verlängerung des 2026 auslaufenden Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes (KWKG). 

Deutlich unzufrieden ist indes die Biogas-Branche. Wie der Präsident des Fachverbandes Biogas, Horst Seide, sagte, seien Biogasanlagen „verglichen mit dem Bau neuer Gaskraftwerke spottbillig“. Allein bereits die heute bestehenden Biogasanlagen könnten den Bau neuer Gaskraftwerke überflüssig machen. Dazu müssten die Anlagen allerdings entsprechend aufgerüstet werden. Das ist jedoch unter den aktuellen Bedingungen für die Betreiber wirtschaftlich kaum möglich. 

Aktuell gibt es in Deutschland knapp 10.000 Biogasanlagen mit einer Gesamtleistung von rund sechs Gigawatt. Eine Verdopplung der Leistung bis 2030 wäre laut dem Fachverband Biogas problemlos möglich. Bis 2040 ließe sich die Leistung sogar auf 24 Gigawatt erhöhen. „Und das bedeutet nicht, dass wir mehr Biogas erzeugen und dafür mehr Biomasse einsetzen, sondern dass wir zusätzliche Blockheizkraftwerke (BHKW) aufstellen und damit nur dann Strom produzieren, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht“. Es bedürfe keiner weiteren Biomasse. Selbst die Bundesregierung habe offenbar den Unterschied zwischen Leistung und Arbeit „noch nicht ganz durchdrungen“.