Stromnetze: Bald wieder mehr Staatseinfluss?

vom 08.05.2024

Wird es bei den Strom-Übertragungsnetzen bald wieder mehr staatlichen Einfluss geben? Eine Verlautbarung von RWE regt die Debatte an. Denn der Energiekonzern will sich offenbar von seiner Beteiligung an Amprion trennen. So berichtet es das „Handelsblatt“ und beruft sich dabei „auf mehrere mit der Sache vertraute Personen“. 

Eine Mehrheit von 74,9 Prozent an Amprion hält die Beteiligungsgesellschaft M31, die vor allem von Pensionskassen und Versicherern getragen wird. RWE gehören die restlichen 25,1 Prozent. 

Dem Vernehmen nach dekliniere RWE einen Amprion-Verkauf durch. Banker rechneten derzeit den Verkauf durch. Möglicherwiese könne dieser noch im laufenden Jahr starten.

Amprion verfügt nach „Handelsblatt“-Angaben über eine sogenannte regulierte Vermögensbasis von 8,4 Milliarden Euro. Netzbetreiber wurden zuletzt zwischen 1,0 und 1,3-mal so hoch wie diese Vermögensbasis bewertet.

Wie kommt nun der Staat ins Spiel? Aktuell verhandelt das Bundeswirtschaftsministerium mit dem niederländischen Staat als Eigner des Tennet-Konzerns über die Komplettübernahme von dessen deutscher Übertragungsnetztochter.

Über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) kontrolliert der Bund bereits seit 2018 ein Fünftel des ÜNB 50 Hertz. Im November erst kaufte der Bund sich ebenfalls über die KfW mit einem Anteil von 24,95 Prozent bei TransnetBW ein. Sollte der Bund mit RWE einig werden, hielte Deutschland Anteile an jedem der vier ÜNB. 

Vielfach wird jetzt über eine bundeseigene Stromnetzgesellschaft diskutiert, die diese für eine erfolgreiche Energiewende zentrale Infrastruktur beeinflussen soll. Um die Netze für die volatilen erneuerbaren Energien zu ertüchtigen, sind hohe Investitonen nötig. Die Bundesnetzagentur rechnet für die kommenden zwei Jahrzehnte in allen vier Netzgebieten mit einem Bedarf von mehr als 300 Milliarden Euro. Allein im Tennet-Gebiet sollen bis 2033 96 Milliarden Euro an Investitionen nötig sein – Hauptgrund für den von der niederländischen Regierung favorisierten Verkauf der deutschen Tennet-Tochter. 

Die BNetzA hat den NEST-Prozess abgeschlossen.