Ein Einfuhrverbot von russischem Erdgas in die EU würde die Gas-Versorgung nicht gefährden. Selbst wenn die Gasnachfrage bis 2030 hoch bliebe, wäre ein vollständiger Verzicht auf russisches Erdgas möglich. Das geht aus einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts DIW hervor.
Laut den Studienautoren könnte der Gasbedarf „durch Pipeline-Importe aus anderen Ländern und LNG ohne Ausbau der Infrastruktur in fast allen Szenarien gedeckt werden“. Auch in sehr von russischem Erdgas abhängigen mittel- und osteuropäischen EU-Ländern wie Österreich und Ungarn könnte die Versorgung sichergestellt werden.
Grundlage der Studie waren Modelle, die sowohl mit schnell als auch mit langsam sinkender Erdgasnachfrage rechneten.
EU-weit decke Russland derzeit noch rund 14 Prozent der Erdgasnachfrage. Wie die Studienautorin Franziska Holz erklärte, kämen Deutschland und Europa „in den kommenden Jahrzehnten auch ohne Importe aus Russland aus, selbst die stark von russischem Erdgas abhängigen Länder wie Österreich und Ungarn“.
Würde die EU doch noch Sanktionen gegen russisches Erdgas verhängen, würde die Lücke vor allem über Norwegen und die USA geschlossen. „Aber auch Länder wie Algerien, Katar, Nigeria und Aserbaidschan würden den Wegfall des russischen Erdgases ersetzen – selbst dann, wenn die Nachfrage in der EU nicht so schnell wie geplant sinken würde.“
Eine Verteilung der Importe auf mehr Bezugsquellen halten die Autorinnen und Autoren für dringend geboten. „Alle europäischen Länder haben verstanden, dass sie ihren Bedarf auf mehr Erdgasquellen verteilen müssen, als sie das früher getan haben.“ Der Import von LNG werde dabei in allen Szenarien wichtiger, vor allem bei einem verzögerten Nachfragerückgang-Szenario, das einen konstant hohen Verbrauch bis Anfang der 2030er Jahre annehme.