Die EU als Gesamtheit ihrer Mitgliedsstaaten, aber auch die EU-Mitgliedsstaaten selbst, hat nach Beginn der Energiekrise infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine einiges getan, um die Energieversorgung zu diversifizieren und damit letztlich zu sichern. Laut dem EU-Rechnungshof gibt es aber immer noch Herausforderungen für eine sichere Erdgas-Versorgung der EU.
Dieses Fazit zieht der EU-Rechnungshof auf Basis der Ergebnisse einer Sonderprüfung. Demnach ist besonders die wachsende Abhängigkeit von importiertem Flüssigerdgas (LNG) ein möglicher Schwachpunkt: Der Anteil der LNG-Importe sei von 22 (vor 2022) auf 34 Prozent gewachsen. Dadurch erhöhe sich das Risiko strukturell höherer Preise und erhöhter Volatilität auf einem angespannten Markt.
Gleichzeitig sei es zudem notwendig, für einen Teil des Gasverbrauchs CO₂-Neutralität zu erreichen. Kritik übt der EU-Rechnungshof in diesem Kontext an der Einstellung der EU zu Abscheidung, Nutzung und Speicherung von CO₂ (CCUS). Die Technik werde zu wenig vorangetrieben. Mit den vier in der EU kommerziell bisher betriebenen CCUS-Projekten könnten jährlich insgesamt 1,5 Millionen Tonnen CO₂ abgeschieden werden, bis 2050 müssten es aber jährlich 450 Millionen Tonnen sein.
Als Herausforderung bewertet der EU-Rechnungshof auch, dass die EU-Kommission keine offizielle Definition für „Versorgungssicherheit“ erarbeitet habe. Dabei habe Erdgas vor Februar 2022 etwa ein Viertel des Bruttoenergieverbrauchs in der EU ausgemacht. Mehr als 20 Prozent des Stroms und fast 40 Prozent der Wärme in der EU stammten seinerzeit aus Erdgas. „Da die EU mehr als drei Viertel ihres Gases importiert, ist eine sichere Versorgung von zentraler Bedeutung, damit die Wirtschaft in Gang und der Wohlstand erhalten bleibt.“
Zwar hätten die EU-Mitgliedsstaaten die Energiekrise durch massive Subventionen für Gas- und Strompreise (allein 2022 rund 390 Milliarden Euro) nach und nach in den Griff bekommen können. Laut João Leão, dem für die Prüfung zuständigen Mitglied des EU-Rechnungshofs, werde die EU angesichts ihrer Abhängigkeit von Gas aus dem Ausland jedoch „nie einfach die Hände in den Schoß legen können, wenn es um die Versorgungssicherheit geht. Auch die Konsumenten haben für den Fall eines künftigen größeren Engpasses keine Garantie, dass die Preise bezahlbar bleiben.“