Erdgas: Niedersachsen genehmigt Bohrung vor Borkum

vom 14.08.2024

In der deutschen Nordsee darf wohl bald nach Erdgas gebohrt werden. Das Land Niedersachsen genehmigte dem niederländischen Energiekonzern One-Dyas eine auf 18 Jahre befristete Bohrerlaubnis. Diese erfolgte durch das niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG). 

Die Genehmigung enthält indes eine Einchränkung: Die mögliche Förderung werde vorzeitig beendet, sobald durch die angestrebte Wärmewende in Deutschland kein Erdgas mehr als Energieträger nötig sei. LBEG-Präsident Carsten Mühlenmeier präzisiert: „Solange […] in Deutschland noch Erdgas verbraucht wird, gilt: Das aus heimischen Lagerstätten geförderte Erdgas ist erheblich weniger klimaschädlich als das importierte“.

In die Erlaubnis ist unter anderem auch ein Gebiet vor der Insel Borkum einbezogen, das im Nationalpark Wattenmeer liegt. Ob hier letztlich dann auch gebohrt wird, ist allerdings noch nicht endgültig geklärt. Dafür wird ein völkerrechtliches Abkommen benötigt, da das Erdgas im Hoheitsgebiet von zwei Staaten gefördert werden soll.

Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Sascha Müller-Kraenner, warf dem niedersächsischen Wirtschaftsminister Olaf Lies indes bereits vor, die Interessen eines Gaskonzerns über Natur und Menschen vor Ort zu stellen. Und er kündigte Widerstand an: „Wir werden dagegen alle rechtlichen Mittel ausschöpfen“.

Laut der Umweltorganisation BUND Niedersachsen sei die Entscheidung für die Nordsee und das Wattenmeer eine Katastrophe. Der Status des Wattenmeers als Weltnaturerbe werde damit aufs Spiel gesetzt.

One-Dyas will noch in diesem Jahr damit beginnen, vor Borkum und Schiermonnikoog Erdgas zu fördern. Geplant sind Bohrungen bis in eine Tiefe von 1,5 bis 3,5 Kilometer. Die erwartete förderbare Menge Erdgas für das gesamte Vorhaben beläuft sich auf 4,5 bis 13 Milliarden Kubikmeter.