2035, also in gut zehn Jahren erst, soll die Ära der Kohlenutzung zur Strom- und Wärmeerzeuung in Deutschland enden. Der ehemalige Primus der Energiewende ist damit in Europa, gemeinsam mit osteuropäischen Staaten, eher das Schlusslicht. Anders sieht das in der Heimat der industriellen Revolution aus: Das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland hat unter der Regentschaft seines ökologisch sehr interessierten Königs Karl III. gestern sein letztes Kohlekraftwerk abgeschaltet.
Der letzte Kohle-Güterzug kam bereits Ende Juni im Kraftwerk Ratcliffe-on-Soar an. Nach 56 Jahren gingen nun die zwei Gigawatt Leistung des Kraftwerks vom Netz. Damit übererfüllen die immer noch Brexit-gebeutelten und zuletzt in Sachen Klimaschutz eher zurückrudernden Briten ihren Plan: Eigentlich sollte erst in mehr als einen Jahr Schluss mit der Kohleverstromung sein.
In Deutschland sind aktuell noch Kohlekraftwerke mit einer Leistung von 26 Gigawatt in Betrieb. Kohle ist mit einem Anteil von 20 Prozent neben den erneuerbaren Energien die wesentliche Säule der deutschen Stromerzeugung.
In Großbritannien ist der Hauptenergieträger Gas. Fast 40 Prozent der britischen Energieversorgung macht diese Säule aus. In Deutschland entfällt ein Zehntel des Energiebdarfs auf Erdgas. Das vom Netz gegangene Kohlekraftwerk soll übrigens nicht abgerissen werden. Betreiber Uniper plant, hier zukünftig CO2-neutralen grünen Wasserstoff zu produzieren.