Energiewende: Neues Finanzierungskonzept von VKU & BDEW

vom 06.12.2024

Der für die Energiewende nötige Netzausbau wird wohl deutlich teurer als bisher bekannt: Wie eine Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung herausarbeitet, werden bis 2045 rund 651 Milliarden Euro nötig sein.

Die bisherigen jährlichen Investitionen müssten sich dafür mehr als verdoppeln. In den kommenden Jahren müssten jeweils Investitionen von rund 34 Milliarden Euro getätigt werden – 127 Prozent mehr als die 15 Milliarden Euro, die 2023 investiert worden seien. 

Auch deshalb haben sich die beiden großen Energieversorger-Verbände VKU und BDEW nun zusammengetan, um ein Energiewende-Finanzierungskonzept zu erarbeiten. Das Ergebnis wurde gemeinsam mit den Unternehmensberatern von Deloitte erstellt. Es sieht eine Verknüpfung von staatlichen und privaten Quellen vor.

Laut dem Konzept sei der Finanzierungsbedarf für die Energiewende enorm. Die deutsche Energiewirtschaft rechnet bis 2030 mit Investitionen in Höhe von 721 Milliarden Euro – bis 2035 sogar mit 1,2 Billionen Euro. Die Gelder werden insbesondere für den Ausbau erneuerbarer Energien, den Aus- und Umbau der Strom-, Fernwärme- und Gasnetze, die Dekarbonisierung des Wärmesektors und den Aufbau der Wasserstoffwirtschaft benötigt. 

Laut der Vorsitzenden der BDEW-Hauptgeschäftsführung Kerstin Andreae könnten die erforderlichen Investitionen nur gestemmt werden, „wenn Energieunternehmen, Finanzwirtschaft und der Staat an einem Strang ziehen und alle Möglichkeiten der Finanzierung ausschöpfen“.

Der VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing sieht dabei die Mobilisierung von privatem Kapital als zentral. Es werde einen ganzen Strauß an Finanzierungsinstrumenten brauchen, um diese Investitionen zu stemmen. 97 Prozent der Stadtwerke planten höhere Investitionen, wüssten aber größtenteils nicht, woher sie das Kapital nehmen sollen.

Das Konzept sieht einen Energiewende-Fonds (EWF) vor. Darüber könnte allen Energieunternehmen beispielsweise über stille Einlagen und Genussrechte oder klassische Unternehmensbeteiligungen privates Eigenkapital bereitgestellt werden. Das Anfangskapital des EWF sollte bei 30 bis 50 Milliarden Euro liegen.

Bisher werden Investitionen in die Energiewende weitgehend durch Kredite finanziert. Der Energiewendefonds soll den hohen Eigenkapitalbedarf der Energieunternehmen adressieren. Da Eigenkapital aufgrund eines höheren Risikos das teuerste Kapital auf dem Finanzmarkt ist, sollen professionelle Fondsstrukturen sowie staatliche flankierende und risikominimierende Maßnahmen (wie finanzielle Garantien oder Bürgschaften durch Bund und Länder) für attraktive Konditionen sorgen.

Hier geht es zum Konzept der beiden Verbände: https://www.bdew.de/media/documents/Kapital_fur_die_Energiewende_2.pdf 

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