Strompreis: Wird Deutschland wieder geteilt?

vom 17.01.2025

Deutschland steht in wenigen Wochen ein einschneidendes Ereignis bevor. Die Rede ist ausnahmeweise nicht von der vorgezogenen Bundestagswahl Ende Februar. Die Folgen besagten Termins könnten jedoch ähnlich einschneidend sein.

Denn dieses Frühjahr wollen die Netzbetreiber nach Angaben des europäischen Netzbetreiber-Verbandes ENTSO-E ihren Bericht über die künftige Aufteilung des Strommarkts vorlegen, den die EU-Regulierungsbehörde ACER im Sommer 2022 initiiert hatte.

Und seit einiger Zeit zeichnet sich ab, dass als Ergebnis eine Teilung der deutschen Strompreiszone entlang eines West-Ost-Meridians empfohlen werden könnte. Bald darauf könnte auf EU-Ebene die Entscheidung fallen. Die Stromkosten könnten dann in Süddeutschland bald höher liegen als in Norddeutschland.

Nach der Veröffentlichung des Berichts haben die EU-Mitgliedstaaten sechs Monate Zeit, sich einstimmig für eine Lösung zu entscheiden. Können sie sich nicht einigen, hat die EU-Kommission weitere sechs Monate Zeit, um alleine eine verbindliche Entscheidung zu treffen. Anfang 2026 würde diese dann umgesetzt.

Da sich Deutschland gegen die Aufteilung wehrt, ist mit einer einstimmigen Entscheidung nicht zu rechnen. In verschiedenen EU-Ländern wächst jedoch die Kritik: Sie müssen die Folgen der weitgehend fehlenden deutschen Energiestrategie tragen.

Auch in Deutschland ist erheblicher Aufwand nötig, um die einheitliche Strompreiszone aufrechtzuerhalten. Milliardenkosten fallen für den sogenannten Redispatch an. Mit dem Redispatch wird die einheitliche Stromgebotszone, die sich physikalisch mangels entsprechender Netzkapazitäten nicht darstellen lässt, simuliert. Allein 2023 wurden nach Angaben der Bundesnetzagentur 3,1 Milliarden Euro für Redispatch-Maßnahmen ausgegeben. 2022 waren es sogar 4,2 Milliarden Euro.