70 Gigawatt Offshore-Windleistung: Dieses Ausbauziel hat die Bundesregierung ausgegeben. Betreiber von Offshore-Windparks wollen die Flächennutzung in Nord- und Ostsee indes begrenzen und das Ausbauziel auf 55 Gigawatt runtersetzen. Ihr Argument: erhebliche Kosteneinsparungen.
Der dänische Orsted-Konzern etwa hat, so berichtet es das „Handelsblatt“, eine Analyse erstellt, wie die Flächennutzung effizienter erfolgen könnte. Dort heißt es, statt der von der Politik geplanten Offshore-Windparks mit 70 Gigawatt installierter Leistung wären 55 Gigawatt in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) ausreichend. Dadurch ergebe sich eine Kosteneinsparung von „konservativ gerechnet bis zu 31,1 Milliarden Euro“.
Orsted konkretisiert damit eine Forderung, die von Teilen der Branche seit Langem erhoben wird. Die Kritik der Unternehmen: Die vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) ausgewiesenen Flächen lägen zu dicht beieinander, was zu Kannibalisierungseffekten führe. Wenn viele Windparks eng zusammenstehen, nehmen sie sich gegenseitig den Wind weg.
Fachleute unterstützen die Überlegungen. Christoph Maurer, Geschäftsführer des auf die Energiebranche spezialisierten Beratungsunternehmens Consentec, sagte dem „Handelsblatt“, wichtiger als die Erreichung nationaler Ausbauziele sei es, „den Stromertrag aus den Anlagen zu optimieren und die Netzanschlüsse optimal auszulasten“. Dazu könne auch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei der Offshore-Windenergie einen wesentlichen Beitrag liefern.
Den Aspekt der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit führt auch Orsted in der Analyse an. Deutschland könne durch die Anbindung ertragreicher Flächen in Dänemark an das deutsche Stromnetz wettbewerbsfähige Strompreise sichern. Das Potenzial dieser Flächen wird auf 15 Gigawatt beziffert.
Vom Ausbau der Offshore-Windkraft verspricht sich die deutsche Politik einen entscheidenden Anteil am Gelingen der Energiewende. Nach den aktuell gültigen Plänen sollen sich 2030 vor den Küsten Windräder mit einer installierten Leistung von 30 Gigawatt drehen. Aktuell sind es nach Angaben des Bundesverbands Windenergie Offshore (BWO) 9,2 Gigawatt.