Der Verband der europäischen Stromübertragungsnetzbetreiber ENTSO-E empfiehlt etwas, das der Bundesregierung (der amtierenden wie der künftigen) nicht gefällt: die Aufteilung der einheitlichen deutschen Stromgebotszone. Die Folge wären unterschiedliche Preise im Stromgroßhandel innerhalb Deutschlands.
Der Bericht war mit Spannung erwartet worden. Er dient als Grundlage einer Entscheidung, die die EU-Mitgliedstaaten innerhalb der nächsten sechs Monate treffen müssen. Kommt es zu keiner Einigung, hat die EU-Kommission das letzte Wort. Die EU-Kommission plädiert seit Jahren dafür, die einheitliche deutsche Preiszone aufzuteilen.
In ihrem Koalitionsvertrag haben die Unionsparteien und die SPD festgelegt, dass sie an der einheitlichen Stromgebotszone festhalten wollen.
Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber, obgleich ebenfalls ENTSO-E-Mitglieder, bewerten den Bericht eher zurückhaltend: Das Ergebnis allein sei „nicht geeignet, um eine Aufteilung der bestehenden Preiszone zu begründen“.
Die Mehrzahl der europäischen Stromübertragungsnetzbetreiber dürfte das allerdings anders sehen. Der Veröffentlichung des Berichts waren lange Abstimmungsprozesse vorausgegangen. Nicht alle Unternehmen sind mit dem Ergebnis (fünf statt einer Stromgebotszone) einverstanden.
Die europäischen Stromübertragungsnetzbetreiber haben verschiedene Alternativen einer Aufteilung der deutschen Stromgebotszone berechnet. Im günstigsten Szenario kommen sie zu dem Ergebnis, dass sich durch eine Aufteilung der Zone Kosten in Höhe von jährlich 339 Millionen Euro sparen lassen würden. Im Norden Deutschlands wäre der Strompreis wegen des großen Angebots an Windstrom dann im Durchschnitt niedriger als im Süden.
Nach Ansicht der deutschen ÜNB lohnt es sich nicht, für einen solchen relativ kleinen Entlastungsbetrag die aufwendige Aufspaltung der Stromgebotszone durchzuführen. Außerdem argumentieren sie, mit fortschreitendem Netzausbau verkleinerten sich die Probleme von Jahr zu Jahr.