32,4 Prozent und damit weniger als ein Drittel: So weit waren die deutschen Gasspeicher gemäß der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) Ende Januar noch befüllt. Das liegt deutlich unter dem Vorjahreswert von knapp 56 Prozent.
Im Gegensatz zu den Vorjahren herrscht nun aber kaum Panik, Experten sehen die niedrigen Füllstände gelassen; die vorhandenen Mengen könnten Deutschland noch wochenlang mit Erdgas versorgen. Zudem haben mildere Temperaturen die Leerung verlangsamt.
Die Versorgungssicherheit sei in jedem Fall gewährleistet, weil Deutschland seine Importwege mittlerweile stärker diversifiziert habe. Hauptlieferländer sind inzwischen Norwegen, das Erdgas über eine Pipeline liefert, und die USA, von wo Flüssiggastanker LNG zu den deutschen Terminals an der Küste transportieren.
Laut „SZ“ reichten die Füllstände aktuell gerade noch aus, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen. Der entspannte Umgang mit der Situation erklärt sich vor allem durch die neue Versorgungsstruktur. Die Speicher dienten hauptsächlich als Puffer für Spitzenzeiten oder Lieferausfälle. Die tägliche Versorgung von Haushalten und Unternehmen erfolge hingegen über kontinuierliche Importe.
Zusätzlich sei der Gasverbrauch gesunken – in Privathaushalten wie auch in der Industrie, teilweise bedingt durch die wirtschaftliche Schwächephase. Die Versorgungssicherheit sei auch perspektivisch gewährleistet: Große Förderländer wie die USA und Katar planten, ihre Produktion und Verarbeitung deutlich auszuweiten.
Vor allem auf eine Diversifikation bei den LNG-Lieferungen setzt Deutschland. Vor diesem Hintergrund war auch die Reise des Bundeskanzlers in den Nahen Osten zu bewerten. An deren Rande waren deutsche Energiekonzerne rege beteiligt und durchaus erfolgreich: RWE hat in den Vereinigten Arabischen Emiraten neue Abkommen mit der Abu Dhabi National Oil Company (Adnoc) sowie der Abu Dhabi Future Energy Company PJSC (Masdar) vereinbart.
Erstere soll jährlich bis zu eine Million Tonnen LNG nach Deutschland liefern. Der Vertrag läuft über zehn Jahre und entspricht bis zu zwölf Schiffslieferungen oder 1,4 Milliarden Kubikmeter Erdgas im Jahr.
Mit zweiterer will RWE beim Thema Batteriespeicher zusammenarbeiten. Die beiden Partner, die bereits gemeinsam britische Windparks besitzen bzw. entwickeln, wollen nun auch bei Batteriespeicherprojekten in Deutschland kooperieren. Bis 2030 erwägt Masdar unter anderem Investitionen in bestehende Projekte von RWE mit einer Gesamtkapazität von bis zu 1 Gigawatt.