In Deutschland verläuft die aktuelle Atomdebatte noch relativ zurückhaltend. Immerhin: Im Rahmen der Energiekrise entschied Bundeskanzler Olaf Scholz, die 2022 noch am Netz angeschlossenen drei deutschen Atomkraftwerke bis ins Frühjahr hinein weiterlaufen zu lassen. Eigentlich sollten diese am 31. Dezember 2022 vom Netz gehen und damit das deutsche Atomabenteuer endgültig zu Grabe tragen. Anders gehen da unsere westlichen Nachbarn vor: Belgien hat beschlossen, die umstrittenen Reaktoren Doel 4 und Tihange 3 auch über 2025 am Netz zu lassen. Dabei unterstützt der französische Betreiber Engie tatkräftig.
Damit dies möglichst reibungslos gelingt, soll eine Reaktorrevision nach dem vorgesehenen Laufzeitende 2026 dafür sorgen, dass beide Anlagen spätestens zum 1. November 2026 wieder in Betrieb gehen können. Den Betrieb soll eine gemeinsame belgisch-französische Betreibergesellschaft übernehmen, an denen sich die Länder je zur Hälfte beteiligen. Auch haben sich beide Seiten auf eine Rechenformel geeinigt, mit der die Kosten für die Endlagerung des anfallenden Atommülls berechnet werden sollen.
Dem belgischen Premierminister Alexander De Croo zufolge mache das Abkommen die Laufzeitverlängerung der beiden Reaktoren für zehn weitere Jahre möglich. Engie zufolge sei die verabredete neue gemeinsame Betreibergesellschaft ein wichtiger Schritt nach vorne. Allerdings schränkt der Konzern zugleich ein: Garantien, dass die Reaktoren ab 2026 Strom produzieren und wie geplant eine Dekade weiterbetrieben werden können, gebe es nicht. Insofern handele es sich um ein „nicht bindenden Abkommen“. Ein Grund für diese Beschränkung dürfte darin zu suchen sein, dass es noch offene Fragen bezüglich der Kostenaufteilung gibt.