Die norddeutschen Bundesländer erbringen den größten Teil der deutschen Windstromproduktion. Aufgrund dieser außergewöhnlich einseitigen Lastenverteilung fordern sie nun einen Ausgleich. Erreicht werden soll das über die Aufspaltung Deutschlands in verschiedene Strompreiszonen. Wie die „Welt am Sonntag“ berichtet, konstatierte stellvertretend der niedersächsische Energieminister Olaf Lies, dass es eine gewisse Erwartungshaltung bei Bürger:innen und Unternehmen gäbe: „Wenn ich da lebe oder produziere, wo auch die Energie produziert oder angelandet wird, muss diese Energie dort auch günstiger sein.“ Der Norden trage seit Jahren die Hauptlast der Energiewende.
Da mit der Entlastung für den Norden naturgemäß auch eine Belastung für den Süden einherginge, positionierte sich als Kontrapunkt die bayerische Staatsregierung. Ministerpräsident Markus Söder machte wie fast immer in solchen Fällen eine Gegenrechnung mit dem Länderfinanzausgleich auf. Söder bezifferte die aktuellen Zahlungen Bayerns auf über neun Milliarden Euro. „Wir zahlen circa zehn Prozent der norddeutschen Haushalte“. Es könne deshalb nicht sein, dass Bayern ständig angegriffen werde.
Die hier anklingende Problematik ergibt sich daraus, dass zwar die größten Stromerzeuger:innen im Norden sitzen, entsprechende Abnehmer:innen aber vor allem im Süden. Damit die Stromnetze stabil bleiben, sind fortwährend teure Eingriffe in die Netze notwendig. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) beziffert die Gesamtkosten des „Engpassmanagements“ im deutschen Stromnetz für das Jahr 2021 auf knapp 2,3 Milliarden Euro, davon 590 Millionen für Redispatch-Maßnahmen. Der Großteil dieses letzten Blocks entfiel laut BDEW auf das Gebiet des Netzbetreibers Tennet in Bayern
Anlass der norddeutschen Kritik ist, dass die CSU den Ausbau der Windkraft in Bayern wegen des Widerstands in Teilen der Bevölkerung faktisch zum Erliegen gebracht hatte, seit 2016 sind im Freistaat kaum noch neue Windräder ans Netz gegangen. Einen Kurswechsel gab es erst in diesem Jahr. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger wiederum hatte noch zu Oppositionszeiten jahrelang Widerstand gegen den Bau der großen Stromübertragungstrassen geleistet. Wie der mecklenburg-vorpommersche Energieminister Reinhard Meyer ebenfalls in der „Welt am Sonntag“ sagte, belaste die Höhe der Stromnetzentgelte die Letztverbraucher:innen und benachteilige den norddeutschen Wirtschaftsstandort.