CO2-Restbudget deutlich korrigiert

vom 05.11.2023

1,5 Grad: Diese fast magisch anmutende Zahl hat sich die Weltgemeinschaft als Grenze der durchschnittlichen Klimaerwärmung gesetzt. Damit diese Grenze nicht gerissen wird, haben Klimawissenschaftler ein CO2-Restbudget errechnet, sprich die Menge an CO2, die höchstens noch weltweit ausgestoßen werden darf. Gut 500 Gigatonnen betrug dieses Budget – bislang.

Eine neue Analyse, die im Fachblatt „Nature Climate Change“ erscheint, setzt dieses Budget nun deutlich herunter: Nur noch 250 Gigatonnen blieben der Menschheit, um das 1,5-Grad-Ziel nicht zu reißen. Die Herausforderung: Sollte der Kohlendioxidausstoß in etwa auf dem Niveau der letzten Jahre erfolgen, bleiben bis zum Aufbrauchen des Restbudgets gerade noch sechs Jahre!

Wie das Science Media Center berichtet, zeige das laut Niklas Höhne vom New Climate Institute „vor allem eines: Für das 1,5-Grad-Ziel wird es sehr, sehr knapp. Es ist fast irrelevant, ob das Budget bei gleich bleibenden Emissionen in sechs Jahren – wie in dieser Studie – oder in zehn Jahren – wie vorher gedacht – aufgebraucht ist“.

Auch für das ungünstigere 2-Grad-Ziel wurde eine Neuberechnung gemacht: Hierfür bleiben noch 940 statt bisher angenommener 1.150 Gigatonnen. Immerhin: Sollten die weltweiten Gesellschaften umsteuern und ihre Emissionen nun kontinuierlich und entschlossen zurückfahren, könnte sie das Restbudget deutlich strecken: Um das 2-Grad-Ziel mit einer 90-prozentigen Chance zu erreichen, müsste „netto null“ bis 2050 erreicht werden, für eine Chance von 67 Prozent immerhin 2070.

Der Grund für die Neuberechnung liegt übrigens in einer weitgehend ausgebliebenen, substanziellen Emissionsreduktion. Seit der Veröffentlichung des 6. Sachstandsberichts des Weltklimarats (IPCC) hätten sich die Emissionsmengen nicht wie erwartet entwickelt. Beispielsweise werde dort angenommen, dass nach der Pandemie weniger CO2 ausgestoßen würde. Das war allerdings nicht der Fall.

Allerdings sind die errechneten Zahlen mit einer großen Unsicherheit behaftet: Carl-Friedrich Schleussner von der Berliner Humboldt-Universität verweist etwa darauf, dass der „wahrscheinliche Bereich für das CO2-Budget für das 1,5-Grad-Ziel – mit einer Wahrscheinlichkeit von 17 bis 83 Prozent – […] in dieser aktuellen Studie mit minus 200 bis 830 Gigatonnen CO2 geschätzt [wird].“ Der Unsicherheitsbereich sei damit viermal größer als die aktuell beste Abschätzung von 250 Gigatonnen. Auch könne eine Temperaturerhöhung durch negative Emissionen theoretisch wieder gesenkt werden. Allerdings gelte, dass, je länger die höhere Temperatur jenseits kritischer Schwellen verweile, die Schäden desto schwerwiegender ausfielen. Auch wachse so die Gefahr irreparabler Störungen.