Die Menschheit ist immer auf der Jagd nach dem aktuellen Gold. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein war das in der Tat Gold, chemisch Au, doch das neue Gold hieß damals schon Erdöl. Das Erdölzeitalter neigt sich seit den 70ern Jahren zwar langsam, aber stetig dem Ende zu. Aktuell ist das neue Gold weiß: Für die Elektromobilität, aber auch für zahlreiche Endgeräte, die auf einen Akku angewiesen sind, werden große Mengen Lithium benötigt. Hier könnte Deutschland ein bedeutender Player werden, denn Europas größte Lithiumvorkommen liegen unter dem Oberrheingraben!
Darauf hat Deutschlands wichtigstes Unternehmen, die Volkswagen AG, ein Auge geworfen. Der Konzern will zumindest seinen europäischen Bedarf durch dieses Lithium-Vorkommen decken. In der Tat hätte das einen großen Vorteil: Die Förderung so nah am Verbraucher würde eine Menge CO2 einsparen. Damit das auch tatsächlich gelingt, ist VW einen großen Schritt nach vorne gegangen: Mit dem Abbauunternehmen Vulcan-Gruppe hat VW einen Abnahmevertrag für sogenanntes „Zero Carbon Lithium“ unterzeichnet. Ab 2026 soll die Vulcan-Gruppe zunächst befristet für fünf Jahre Lithiumhydroxid aus dem Oberrheingraben liefern. Zudem sicherte sich VW ein Vorkaufsrecht auf dieses CO2-freie Lithium, sollte Vulcan seine Förderkapazität ausweisen. Wie der Konzernvorstand Technik der Volkswagen AG, Thomas Schmall, schwärmt, setze das Unternehmen „seine Batteriestrategie sehr konsequent und mit hohem Tempo um“.
Was ist bei der Förderung im Oberrheingraben anders? In der derzeitigen Hauptlieferregion Südamerika wird salziges Tiefenwasser an die Oberfläche gepumpt, das an der Luft verdunstet. Zurück bleiben die im Wasser gelösten Lithiumsalze. Die Vulcan-Gruppe dagegen trocknet mithilfe von Geothermie, bis die Lithiumverbindungen ausflocken. Das hierbei entstehende Kondenswasser kann fortlaufend wieder ins Grundwasser zurückgeführt werden. Im Gegensatz zu den südamerikanischen Produktionsregionen hat also der Abbau keine derart negativen Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel. Neben der Produktion des Lithiums sollen auch zusätzlich 74 Megawatt geothermische Energieleistung genutzt werden.
Laut der Vulcan-Gruppe fallen durch die Gewinnung von Lithium je gebautem Elektroauto 675 Kilogramm CO2 an. Bei 28 Millionen geplanten VW-Elektrofahrzeugen wären das kumuliert 18,9 Millionen Tonnen CO2. Das deutsche Lithium wiederum, für dessen Produktion Geothermie eingesetzt wird und zusätzlich Überschussstrom anfällt, schlägt pro Elektroauto mit einem Negativsaldo von 238 Kilogramm CO2 zu Buche. Das heißt, durch die Verwendung des Lithiums aus dem Oberrheingraben werden über 25,5 Millionen Tonnen CO2 eingespart.
Ab 2025 will die Vulcan-Gruppe mit fünf Produktionsanlagen jährlich 40.000 Tonnen Lithiumhydroxid produzieren. Auch mit Renault gibt es bereits einen Liefervertrag, der ab 2024 jährlich 17.000 Tonnen Lithium umfasst. Wie der Vulcan-Geologe Horst Kreuter der ARD sagte, vermute er rund 15 Millionen Tonnen Lithiumhydroxid im Oberrheintal. Damit ließen sich rechnerisch etwa 375 Millionen Elektroautos bauen.