Die EU-Mitglieder haben infolge der gelockerten Beihilferegelungen, die die Auswirkungen des Ukraine-Krieges für die Wirtschaft mildern helfen sollten, von März 2022 bis Juni 2023 insgesamt 140 Milliarden Euro an ihre Firmen überwiesen. Dabei war vor allem Deutschland sehr umtriebig: Mit 72,8 Milliarden Euro nimmt die größte europäische Volkswirtschaft den einsamen Spitzenplatz ein. Der zweitgrößte Beihilfegeber Italien kommt „bloß“ auf 39,2 Milliarden Euro.
Der Löwenanteil der deutschen Beihilfen, 85 Prozent, floss dabei übrigens nur zwei Unternehmen zu. Die später verstaatlichten Uniper und Sefe (vormals Gazprom Germania) erhielten 33 bizw. 6,5 Milliarden Euro aus deutschen Steuergeldern, zusätzlich garantierte Deutschland für Kreditlinien in Höhe von 14,5 beziehungsweise 7,5 Milliarden Euro.
Da viele der deutschen Nachbarn ihren Firmen deutlich weniger Beihilfen gewährten, gab es Befürchtungen, dass dies zu erheblichen Wettbewerbsverzerrungen führen könnte. Wie die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager mitteilte, erkenne sie hier indes keine Wettbewerbsverzerrung. Dem „Handelsblatt“ sagte Vestager, die große Zahl gebe eine falsche Vorstellung davon, was tatsächlich passiert sei. Bei genauerem Hinschauen ergebe sich ein „nuanciertes“ Bild. Die deutschen Hilfen seien vor allem an zwei kriselnde Energiefirmen geflossen, um den Gasmarkt zu stabilisieren, nicht an Industriefirmen.