Energiewende: Bürgerbeteiligung ist kein Hindernis

vom 12.09.2025

Die finanzielle Beteiligung von Kommunen und Bürgern vor Ort an Energiewendeprojekten verlangsamt die Realisierung selbiger nicht. Wie die Studie „Quo vadis, Beteiligung? Bewertung von Partizipation in Energieprojekten“ zeigt, bremsen vor allem die Genehmigungsverfahren und der fehlende Netzausbau die Energiewende aus.

Wissenschaftler des Forschungsinstituts für Nachhaltigkeit, des ECOLOG-Instituts, des Bündnis Bürgerenergie e.V. und der Renewables Grid Initiative haben ausgewertet, welche Auswirkungen Beteiligungsverfahren bei der Umsetzung von Energiewendeprojekten und dem Übertragungsnetzausbau haben.

Wie die Studienautoren bei der Veröffentlichung der Ergebnisse erklärten, könnten, „[w]enn Beteiligungsverfahren qualitativ hochwertig und an die lokalen Bedingungen angepasst sind, […] [diese] Konflikte minimieren, die Akzeptanz erhöhen und Impulse für die regionale Wirtschaft setzen. Damit leisten sie einen Beitrag für den schnellen Ausbau vor Ort“.

Für die Studie wurden Beteiligungsformate in rund 200 Photovoltaik-, Windkraft- und Übertragungsnetzausbauprojekten in ganz Deutschland ausgewertet. Laut der Projektleiterin Franziska Mey vom Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit werde „[d]ie Beteiligung von Gemeinden sowie von Bürgerinnen und Bürgern […] zu einem zentralen Element in der Umsetzung der Energiewende. Sie gilt einerseits als Schlüssel für einen konfliktarmen Ausbau der Erneuerbaren, andererseits wird sie aber auch als potenzieller Bremsklotz für eine zügige Realisierung wahrgenommen“.

Die an der Studie beteiligten Wissenschaftler beobachteten Unterschiede zwischen Windkraft- und Photovoltaik-Projekten, doch bei beiden Technologien stellten sie „keinen nennenswerten Einfluss auf die Projektlaufzeit“ fest. Verzögerungen seien in fast der Hälfte der Fälle behördlichen Genehmigungsverfahren und Planungsprozessen geschuldet. Nur in wenigen Fällen führten dagegen Mitspracherechte, beispielsweise bei Projektanpassungen, zu Verzögerungen.

Der Netzausbau hingegen werde durch Beteiligung bisweilen ausgebremst. Dieser habe jedoch auch eine höhere Komplexität bei den Planungs- und Genehmigungsprozessen und somit sei eine größere Anzahl von Akteuren eingebunden. Beteiligung lohne sich dennoch, weil sie das Vertrauen in eine gerechte Umsetzung der Energiewende fördere.

Die Auswertung der Umfragedaten und Interviews habe gezeigt, dass in vielen Fällen vorhandene Konflikte den Impuls gaben, mehr Menschen – auch finanziell – zu beteiligen. Gerade beim Netzausbau setzen Projektverantwortliche zudem auf eine intensive Kommunikation oder gar auf Mediationsverfahren. Daneben sollten sie nach Meinung der Studienersteller künftig auch gezielt auf lokale Wertschöpfung setzen.

Die Einbindung von Kommunen und Bürgern ist keine Hürde für den Erfolg der Energiewende.